Jahrgang 
Band 98 (2019)
Seite
283
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Rezensionen und Hinweise

Auf dem Garten, Klaus und Ostersehlte, Christian: Der Kampf um Bremens Seeha­fenstellung. Die Seeschifffahrtsstraße Weser: Bereisungsdampfer WELLE im Dienst der Weserkorrektion und seine Konstruktion. Bremen: Edition Falken­berg 2018. 176 S.

Klaus Auf dem Garten (Jahrgang 1937) und Christian Ostersehlte (Jahrgang 1959), zwei versierte Kenner der Bremer Schifffahrtsgeschichte, haben ein ganz außer­gewöhnliches Buch über die wechselvolle Historie von Bremens Seehafenstellung geschrieben. Vorab schon ist auf den Ausnahmefall dieses Bandes hinzuweisen. Wie selten zuvor widerspiegeln das schon die bibliographischen Angaben, genauer gesagt ein Buchthema mit zwei Untertiteln: der Kampf um Bremens Seehafenstel­lung und die Seeschifffahrtsstraße sowie der Bereisungsdampfer WELLE im Dienst der Weserkorrektion und seine Rekonstruktion.

Beide Autoren würdigen zu Recht unter den bereits vorliegenden Arbeiten zu verschiedenen Aspekten der Weserkorrektion ausdrücklich das 1997 erschienene Buch »Mit Koggen zum Marktplatz« von Ulrich Weidinger. Die Leistung der Auto­ren besteht darin, erstmals relevante Ratsarchiv- und Senatsakten und entspre­chendes Archivmaterial der Handelskammer auszuwerten. Ihre Absicht zielt auf eine »umfassende Darstellung« (S. 8) der »eigentlichen« Korrektion der Unter- und Außenweser unter Einbeziehung gegenwartsnaher Entwicklungen.

Die Einleitung der beiden Historiker enthüllt, wie eng beide Schwerpunkte in­haltlich miteinander verzahnt sind (S. 7). Im ersten Schwerpunkt fragt Klaus Auf dem Garten im Teil A, wie Bremen als Seehafen und Übersee-Handelsstadt seit dem 13. Jahrhundert bestehen konnte und kann. Es geht hauptsächlich um die ge­fundenen Lösungen in den vergangenen Jahrhunderten. Der zweite Schwerpunkt beschäftigt sich im Teil B mit dem letzten noch verbliebenen Dampfer dieser Kor­rektionsflotte, dem staatlichen Bereisungsdampfer WELLE. Christian Ostersehlte erzählt über diesen Dampfer, ein legendäres technik- und kulturhistorisches Denk­mal, im Dienst von Bremens Seehafenstellung zwischen 1915 und 1975.

Das Ringen zwischen den umschlagsstärksten deutschen Seehäfen ist fast so alt wie die Stadt selbst. Diese historische Problemstellung handelt im spannenden Dreieck von Hafen, Fluss und Schiff. Das Inhaltsverzeichnis des vorliegenden Bandes präsentiert eine klare Gliederung in vier Teile, von A-D. Das Buch folgt der chronologischen Logik und zeichnet zuerst im Teil A einen anschaulich durch­gezeichneten Überblick über die Anstrengungen Bremens seit dem Mittelalter, Seehafen zu sein und zu bleiben. Klaus Auf dem Garten markiert und begründet exakt die entscheidende Zäsur im späten 19. Jahrhundert, als Dampfmaschinen schwimmende Geräte und Schiffe antreiben konnten.

Im Teil B berichtet Christian Ostersehlte über den Dampfer WELLE im Dienst von Bremens Seehafenstellung und über dessen breites Einsatzspektrum zwi­schen 1915 und 1975. Der Dampfer »Welle« ist das letzte verbliebene ehemalige Dienstfahrzeug der Weserkorrektion, eines für die hafengeschichtliche und wirt­schaftliche Entwicklung Bremens und Bremerhavens im 19. und 20. Jahrhundert grundlegenden Wasserbauprojektes der Jahre 1887 bis 1895; außerdem ist er das älteste erhaltene Fahrzeug der Wasserstraßenverwaltung des Unter- und Außen­weserreviers. Die Bestellung eines zweiten Bereisungsdampfers für die Außenweser

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