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Band 98 (2019)
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Ein Grab als Denkmal - Der Gedenkstein der Sinti-Familie Schmidt auf dem Waller Friedhof

Von Hans Hesse

Auf dem Waller Friedhof befindet sich unweit des Haupteingangs (im Feld O 32) ein auffälliger Grabstein. Er ragt ca. 1,70 m bis 1,80 m auf, bei einer Breite von ca. 75 cm. Auf der Vorderseite befindet sich im oberen Teil des Grabsteines das Relief einer Dornenkrone mit drei stilisierten Flammenzun­gen. Die Dornenkrone gilt als symbolische Darstellung der Passion Christi, während die Flammenzungen als der Heilige Geist bzw. Dreieinigkeit inter­pretiert werden können. (Abb. 1)

Darunter ist die Inschrift zu lesen: 1

»FAMILIE

SCHMIDT

DURCH

UNMENSCHLICKEIT VERSTARBEN IM LAGER AUSCHWITZ IN DEN JAHREN 1943-1945 40 ANGEHÖRIGE UNSERER FAMILIE«

Dieser Grabstein mit der ungewöhnlichen Inschrift wurde lange Zeit als das Grab einer jüdischen Familie angesehen, die in der NS-Zeit verfolgt wurde. So ist in der Broschüre »Alternative Stadtrundfahrt - Stätten der demokrati­schen Bewegung und der Arbeiterbewegung in Bremen« im Abschnitt »17. Grabstein der jüdischen Familie Schmidt Waller Friedhof« zu lesen, dass »Herr Schmidt« - ein Vorname wird in dem Artikel nicht genannt - »Viertel­jude« gewesen sei. 2 Der Autor des Textes wies jedoch auch darauf hin, dass die Familie Schmidt in der »Totenliste« verfolgter Bremer Juden, die in der Dokumentation »Antifaschistischer Widerstand 1933-1945 in Bremen« zur Ausstellung in der unteren Rathaushalle im April/Mai 1974 abgedruckt

1 Es existiert ein Foto vom Oktober 1987. Dort ist die Inschrift deutlich hervorge­hoben, vermutlich durch Farbe, die heute herausgewaschen ist. Das Foto befin­det sich im Archiv des Kulturhauses Walle.

2 H. Assel und W. Hundertmark, Alternative Stadtrundfahrt - Stätten der demo­kratischen Bewegung und der Arbeiterbewegung in Bremen, Bremen 1982, S. 37.

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