Ein Grab als Denkmal - Der Gedenkstein der Sinti-Familie Schmidt auf dem Waller Friedhof
Von Hans Hesse
Auf dem Waller Friedhof befindet sich unweit des Haupteingangs (im Feld O 32) ein auffälliger Grabstein. Er ragt ca. 1,70 m bis 1,80 m auf, bei einer Breite von ca. 75 cm. Auf der Vorderseite befindet sich im oberen Teil des Grabsteines das Relief einer Dornenkrone mit drei stilisierten Flammenzungen. Die Dornenkrone gilt als symbolische Darstellung der Passion Christi, während die Flammenzungen als der Heilige Geist bzw. Dreieinigkeit interpretiert werden können. (Abb. 1)
Darunter ist die Inschrift zu lesen: 1
»FAMILIE
SCHMIDT
DURCH
UNMENSCHLICKEIT VERSTARBEN IM LAGER AUSCHWITZ IN DEN JAHREN 1943-1945 40 ANGEHÖRIGE UNSERER FAMILIE«
Dieser Grabstein mit der ungewöhnlichen Inschrift wurde lange Zeit als das Grab einer jüdischen Familie angesehen, die in der NS-Zeit verfolgt wurde. So ist in der Broschüre »Alternative Stadtrundfahrt - Stätten der demokratischen Bewegung und der Arbeiterbewegung in Bremen« im Abschnitt »17. Grabstein der jüdischen Familie Schmidt Waller Friedhof« zu lesen, dass »Herr Schmidt« - ein Vorname wird in dem Artikel nicht genannt - »Vierteljude« gewesen sei. 2 Der Autor des Textes wies jedoch auch darauf hin, dass die Familie Schmidt in der »Totenliste« verfolgter Bremer Juden, die in der Dokumentation »Antifaschistischer Widerstand 1933-1945 in Bremen« zur Ausstellung in der unteren Rathaushalle im April/Mai 1974 abgedruckt
1 Es existiert ein Foto vom Oktober 1987. Dort ist die Inschrift deutlich hervorgehoben, vermutlich durch Farbe, die heute herausgewaschen ist. Das Foto befindet sich im Archiv des Kulturhauses Walle.
2 H. Assel und W. Hundertmark, Alternative Stadtrundfahrt - Stätten der demokratischen Bewegung und der Arbeiterbewegung in Bremen, Bremen 1982, S. 37.
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