Niels Lyhne.
Roman von I. j). Jacobsen.
Ans dem Dänischen übersetzt von Mathilde Mann. (Fortsetzung.)
ngefähr ein Jahr lang mochte Frau Boye Niels' einzige, wirkliche Gefährtin gewesen sein, als diesen ein Brief von seiner Mutter, der die Nachricht von der lebensgefährlichen Erkrankung des Vaters enthielt, nach Lönborggaard rief. Als er dort ankam, war der Vater bereits gestorben. Es fiel Niels schwer aufs Herz, fast wie ein Verbrechen, daß er sich in en letzten Jahren so wenig nach seinem Elternhause gesehnt hatte. Seine Geanten waren freilich oft dahin geschweift, aber er war nur als Gast dagewesen, "ut dem Staube andrer Gegenden in seinen Kleidern, mit den Erinnerungen andrer Stätten in seinem Herzen, er hatte sich nie in namenlosem Heimweh darnach gesehn wie nach dem lichten Heiligtum seines Lebens, in glühendem verlangen, den heimatlichen Boden zu kttsfen, unter dem heimatlichen Dache zu ruhen. Jetzt bereute er diese Untreue, und unter der Last des Kummers empfand er seine Neue als eine mystische Mitschuld an dem Geschehenen, als hätte seine Treulosigkeit den Tod des Vaters herbeigeführt. Er Minderte sich immer von neuem, wie er so ruhig hatte von diesem Heim entfernt leben können, das ch" jetzt mit so seltsamer Macht zu sich hinzog. Sein ganzes Wesen ging in er Sehnsucht auf, mit der er sich jetzt daran anschmiegte, unruhig darüber, daß er, so gern er es auch wollte, nicht mit ihm verschmelzen konnte, unglücklich, daß die tausendfältigen Erinnerungen, die aus jedem Winkel, jedem Busch, aus den Ton- und Lichtstimmungen, aus tausend Wohlgerüchen, ja selbst aus dem schweigen ihn ansahen, daß ihn dies alles mit gleichsam zu entfernten Stimmen nef. die sich nicht in der ganzen Fülle und Schärfe, deren er bedürfte, fassen "eßen, die nur leise wie das Säuseln der zur Erde fallenden Blätter,