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Kleinere Mitteilungen.
Das war auch jetzt nicht anders. Die Zurückhaltung war womöglich noch größer, jedenfalls bei Niels, aber die Freundschaft war darum nicht geringer, und ihr Hauptcckstein war jetzt, wie auch früher, Niels Lyhnes Bewunderung für das Frische, Lebensfrohe, das Erik eigen war, daß er sich so heimisch im Leben fühlte, so bereit, zuzugreifen und zu nehmen. Aber Niels konnte sich nicht verbergen, daß die Freundschaft ziemlich einseitig war, nicht etwa weil Erik des wahren Freundschaftssinnes entbehrte oder weil er kein Zutrauen zu Niels hatte. Im Gegenteil, es konnte wohl niemand eine höhere Meinung vou Niels haben als gerade Erik, er glaubte ihn sich so weit überlegen an Begabung, daß von Kritik keine Rede sein konnte, aber gleichzeitig mit dieser blinden Anerkennung hielt er auch das, womit Niels sich beschäftigte, wie das, was seine Gedanken in Anspruch nahm, für weit über den Gesichtskreis hinausreichend, den er mit seinen Augen erreichen konnte. Er war fest überzeugt, daß Niels auf dem Wege, den er sich erwählt hatte, vorwärts kommen würde, aber er war ebenso überzeugt, daß sein Fuß nichts auf diesem Wege zu suchen habe, und deswegen betrat er ihn gar nicht.
Das war nun freilich ein wenig hart für Niels, denn obwohl Eriks Ideale nicht die seinigen waren und dasjenige, welchem Erik in seiner Kunst Ausdruck verleihen wollte, das Romantische oder das Sentimental-Romantische, ihm keineswegs sympatisch war, so konnte er doch persönlich eine breitere, vielseitigere Sympathie empfinden und darin getreulich der Entwicklung des Freundes folgen, sich mit ihm freuen, wenn er Erfolge hatte, seine Hoffnung aufs neue beseelen, wenn er stillstand.
So kam es, daß die Freundschaft eine einseitige war, und es war nicht zu verwundern, daß es Niels jetzt, wo sich so viel Neues in ihm Bahn brach und deswegen das Bedürfnis sich mitzuteilen und verstanden zu werden doppelt groß war, klar ward, wie unzulänglich diese Freundschaft war, und daß er, dadurch erbittert, den bis dahin so rücksichtsvoll beurteilten Freund einer schärfern Kritik unterzog. So entstand ein trauriges Gefühl der Vereinsamung in ihm; es war, als wenn alles, was er aus der Heimat mitgebracht, was er von Kindheit auf besessen hatte, vou ihm abfiele, ihn fahren ließe, als wenn er vergessen, verlassen wäre. Die Thür, die zu dem Alten führte, war verriegelt, und er stand mit leeren Händen davor und allein; was er entbehrte, was er verlangte, mußte er sich selber erringen, neue Freunde, ein neues Heim, einen neuen Herzensraum und neue Erinnerungen. (Fortsetzung folgt.)
Kleinere Mitteilungen.
Das Wort „Töchterschule." Gegenüber den wenn auch nicht gerade verteidigenden, so doch einigermaßen entschuldigenden Zeilen, in denen Gotthold Kreyenberg in seinem Aufsatze „Die Bildung der Töchter höherer Stände" im elften Hefte der diesjährigen Grenzvoten den Ausdruck „Töchterschule" bespricht, schreibt uns ein andrer unsrer geschätzten Mitarbeiter:
Keller rechnet in seinem „deutschen Antibarbarus" unter die Gallizismen und wohlfeilen Vornehmthuereien auch den Ausdruck „Töchterschule." Töchter sind die