Niels Lyhne.
Roman von I. P. Jacobsen.
Ans dem Dänischen übersetzt von Mathilde Mann.
(Fortsetzung.)
s gab niemand, der von dem, was in Herrn Bigum wvhntc, eine Ahnung gehabt hätte. Alle gingen sie blind an ihm vorüber, er aber freute sich über diese Blindheit, in Verachtung der Menschheit. Es werde der Tag kommen, meinte er, da sein Auge erlöschen, da die Pfeiler zu dem herrlichen Gebäude seines Geistes schwanken, zusammenbrechen, da er selber vergehen würde, als sei er niemals gewesen, ohne ein Werk von seiner Hand zu hinterlassen, nicht ein geschriebenes Welchen, das von dem, was an ihm verloren war, Kunde geben könnte. Er jubelte bei dem Gedanken, daß Geschlecht auf Geschlecht kommen und gehen würde, daß die Größten dieser Geschlechter ihr Leben einsetzen würden, uni das zu gewinnen, was er hätte geben können, wenn er nur seine Hand hätte öffnen wollen.
In einer so untergeordneten Stellung zu leben, bereitete ihm einen eigenartigen Genuß, denn welche Verschwendung lag darin, daß sein Geist dazu verwendet werden sollte, Kinder zu unterrichten! War es nicht ein wahnsinniges Mißverhältnis, eine riesige Ungereimtheit, daß man seine (des genialen Bigums) Zeit mit dem armseligen täglichen Brot bezahlte, daß er dies Brot auf Empfehlung gewöhnlicher Menschen verdienen durfte, die sich für seine Tüchtigkeit verbürgten, den jämmerlichen Platz eines Hauslehrers auszufüllen?
Und man hatte ihn durchfallen lassen, als er sein Staatsexamen machte! Daß der brutale Unverstand der Welt ihn beiseite warf wie elende Spren, während man das Leere, Inhaltslose für goldnes Korn achtete, welchen Genuß mußte ihm das bereiten, ihm, der sich sagen dnrfte, seine geringsten Gedanken seien eine ganze Welt wert!