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Nie Kanzlerkrisis und die Freisinnigen.
gehen. Es wäre ei» Kunststück gewesen, wie wenn man eine Kette aus Triebsand vder wiudgejagten Wolken zu schmieden versnchen wollte. Bismarcks Prophezeiung ist vollständig eingetroffen, dreiundzwanzig Ministerien in achtzehn Jahren haben die Diplomatie der Republik zum Gelächter der Welt gemacht.
Die Kanzlerkrisis und die Freisinnigen.
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er Hexensabbat, welchen die fortschrittliche Presse seit dem November v. I. aufführt nnd welcher seit der Thronbesteigung des Kaisers Friedrich in eine Walpurgisorgie ausgeartet ist, gehört nicht dem Griffel des Geschichtschreibers an, sondern der Geißel des Satirikers. Freilich erst für die Zukunft, denn die Gegenwart macht es aus leicht begreiflichen Gründen schwer, diese Geißel zu schwingen. Es ist etwas ganz Unerhörtes, daß eine Partei einen Regenten als den ihrigen in Anspruch nimmt. Muß es mit Recht getadelt werden, wenn eine Partei — wie seiner Zeit in Preußeu die altkonservative — die Kvuigstreue für sich allein in Anspruch nimmt und dies damit begründet, daß sie den König in allen politischen Dingen unterstütze, es ist doch immerhin eine vornehmere nnd edlere Gesinnung, als wenn eine Partei sich vermißt, den eben zur Regierung gelangten Herrscher als ihren Parteigenossen mit Beschlag zu belegen. Noch verwerflicher ist es, wenn dies in der ebenso ehnischen und geschmacklosen Weise geschieht, mit welcher Herr Eugen Nichter in der Freisinnigen Zeitnng, Herr Landgerichts- direttor Lessing in der Vossischen, Herr Rudolf Mosse im Berliner Tageblatt und die anonhme Demokratie der Achtundvierziger in der Volkszeituug das neue Herrscherpaar mit ihren eignen Gesinnnngen zu identisizireu suchen und den Thron umWedeln. Es ist unmöglich und widerspricht sowohl der an- geborncn Ehrfurcht vor dem Monarchen und seiner erlauchten Gattin wie dem guten Geschmack, hier die Einzelheiten in der erforderlichen Form vorzutragen, aber die Zeit wird kommen, in welcher den fortschrittlichen Agitatoren ihre königstreue Maske hernutergerissen werden soll von Leuten, welche die Königstreue im Herzen und nicht ans der Zunge tragen.
Bisher bestand die fortschrittliche Spiegelfechterei darin, aus mehr vder minder verbürgten Äußerungen uud Anekdoten aus dem Vorleben des Herrscherpaares einen Gegensatz aufzustellen zwischen der Politik des Kaisers Friedrich und dem Reichskanzler. Schon die Thatsache, daß der neue Monarch den bewährten Diener seines erlauchten Vaters auch in seinem Dienste behielt, Hütte den Herren eine gewisse Mäßigung und den erforderlichen Takt auferlegen