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Tagebuchblätter eines Sonntagsphilosophen : 10. Trauer und Treue.
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Niels Lyhne.

sich weiter träumen; jeder Frühling hat ja noch welke Blätter aus dem ver­gangenen Jahre abzustoßen.

So ist ein großes Leben heimgegangen zu seinem Gott, hinterläßt aber den Seinen ein großes Leben. Gerade die Trauer um ihn ließ uns erst voll empfinden, wie uns, längst von den Besten der Nation vorbereitet, aber durch ihn vollzogen, ein neues Leben, das lang ersehnte, endlich gegeben ist. Die Traucrtage werden darin wie eine Höhe erscheinen, wie bei gleichen Fällen im Hausleben. Nun treu festhalten, was uns die Höhe hat sehen und empfinden lassen, das wäre die rechte Losung für unsern weitern Lebensweg in den Nie­derungen und Schlüften, durch die er noch führen wird. So erblüht aus der Trauer die beste Blüte, Treue mit freudiger Kraft und Zuversicht.

Niels Lyhne.

Roman von Z. P. Jacobsen. Aus dem Dänischen übersetzt von Mathilde Mann.

(Fortsetzung.)

er Befreiungsversuch, der diesem Bestreben zn Grunde lag, miß­glückte. Sie versank wieder in ihre Träume, in die Träume ihrer Mädchcnzcit, aber da war nnr der eine Unterschied, daß jetzt keine Hoffnung diese Träume mehr erhellte; sie hatte gelernt, daß es nur Träume waren, ferne, verführerische Luftspiege­lungen, die keine Sehnsucht der Welt auf ihre Erde herabzuziehen vermochte. Gab sie sich also diesen Träumen jetzt hin, so geschah es nur mit innerer Un­ruhe und trotz einer mahnenden Stimme, die ihr vorhielt, daß sie dem Trinker gleiche, der weiß, daß seine Leidenschaft verderblich ist, daß jeder neue Rausch seine Kräfte schwächt und die Macht seiner Leidenschaft vermehrt; aber die Stimme erklang vergebens, denn ein nüchtern gelebtes Leben, ohne das süße Laster der Träume, war ihr kein Leben, das wert war, gelebt zu werden das Leben hatte ja nur den Wert, den ihm die Träume gaben.

So verschieden waren der Vater und die Mutter des kleinen Niels Lhhne, die beiden freundlichen Mächte, die, ohne sich dessen bewußt zu sein, einen Streit um seine junge Seele stritten, schon von dem Augenblicke an, wo sich eine Funke