Zeitschriftenband 
Bd. 1 (1911)
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

140 -Z

Kamerun.

,Teufe? mit ihren verschiedenen Eigenschaften und Attributen, Himmel und Hölle, Seligkeit und Verdammnis entwickelt; bei dem auf Kindesstufe heißt er lediglich: guter und böser Geist. Für diesen aber wie für jenen hat in beiden Fällen zum Modell gedient der Mensch: Gott und guter Geist ist der ver­besserte, Teufel und böser Geist ist der verschlechterte Mensch, d. h. der Mensch mit übermenschlich gedachten positiven, beziehungsweise negativen Kräften und Leidenschaften.

Daß bei den Naturvölkern Kameruns überwiegend das böse Prinzip in der Vorstellung herrscht und der Kult, soweit von einem solchen die Rede sein kann, sich mit Abwendung seiner schädigenden Emanationen beschäftigt, ist psychologisch aus ihrem kindlichen Begriffsvermögen erklärlich, ja selbst­verständlich. Seien wir ehrlich: unsere Bitten haben, streng genommen, alle den unausgesprochenen Nachsatz: ,und verschone uns vor dem Übel'."

VI. Llnter deutscher Flagge,

a) Ausbau und Entwicklung.

Wir knüpfen an die im ersten Abschnitt skizzierte Geschichte der Erwerbung Kameruns an (S. 6).

Nach erfolgter Besitzergreifung handelte es sich darum, die entsprechende Form der Verwaltung zu finden. Das Reich dachte sich dieselbe anfänglich als eine Art selkgovernmont der ansässigen Handelshäuser unter deutscher Oberhoheit; diesen ihrerseits war es lieber, wenn ihnen die Ausübung der Regierungsgewalt und Verwaltung und damit auch die naturgemäß hiermit verbundenen Kosten abgenommen würden. Aus diesem Grund und infolge der ganz richtigen weiterblickenden Erwägung, daß eine Kolonie nicht nur reines Handelsgebiet sein und bleiben dürfe, und daß die damit gegebenen weiteren kolonialwirtschaftlichen Aufgaben am besten durch staatliche Ver­waltung eingeleitet und gefördert würden, erhielt Kamerun einen Kaiserlichen Gouverneur und trat damit in das Verhältnis eines Reichschutzgebietes. (Seinem ersten Gouverneur, Freiherrn v. Soden, wird die Kolonie stets eine dankbare Erinnerung bewahren müssen. Weitschauenden Blickes- Hat er fast in allem und jedem den Grund zur weiteren Entwicklung gelegt.)

Wie wir aus der Erforschungsgeschichte wissen, war das anfänglich be­kannte Gebiet sehr klein, und noch viel kleiner war das tatsächlich beherrschte. Die Verwaltung erstreckte sich anfänglich nur auf das eigentliche Kamerun­becken mit den auf der Joßplatte gelegenen Dualadörfern und einigen ver­streuten Faktoreien im Norden und Süden. Hier am Kamerunfluß, auf der Joßplatte, war auch bis 1901 der Sitz des Gouvernements.

Die Umschau und Erschließung imeigenen Hause" enthüllte wie wir gleichfalls in der Erforschungsgeschichte sahen mehr und mehr das Land, die Aufgaben wurden vielgestaltiger, die Wirkungsphäre wuchs. Den er­höhten Ansprüchen gerecht zu werden, mußte der Verwaltungsapparat (im weitesten Sinne) vergrößert und vermehrt werden.

Auch die weiße Bevölkerung des Schutzgebietes wuchs von Jahr zu Jahr.