Periodicaltome 
Bd. 1 (1911)
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Die seingevorene) Bevölkerung. 63

Schon das Heraufziehen eines solchen ain äußersten Horizont läßt das Gewaltige des nahen­den Elcmentarereignisses ahnen. Schwer und breit schieden sich die Wotkenschichten schwarz und dunkelgrnu übereinander gebaut höher und höher, und der noch in reinen, Blau sich wölbende Himmel verschärft den Gegensatz, Bereits ist ein Drittel von ihm überzogen, und immer noch steigt die Wetterwand, trotzdem der sich verstärkende Wind gerade dagegen nnznprallen scheint. Endlich kommt seitliche Bewegung in die Massen, und langsam ziehen sie ans feuriger Bahn. Wagerecht zucken die Blitze durch die Schichte» , und nnanfhörlich rollt der noch ferne Donner. Durch drei Himmels- gnadranten zieht die Wolkenwand. Und nun im Süden ein kurzes Stillstehen und wie ein Leopard ans sein Opfer fällt cs in immer steigender Schnelligkeit über die winzige Behausung der winzigen Menschlein her. Heulend setzt die Winds­braut ein, und im Rn liegen ganze Bananenreihen auf der Erde, und durch die zerfetzten Blätter der stehengebliebenen pfeift der Stnrm. Die Häuser

wanken und ächzen, von den Dächern fliegen in Garben die Grasbüschel, dunkler und dunkler wird es ringsum- jetzt der erste nahe Blitz und Dvnner- schlag zugleich, daß der Boden erzittert. Und nun ist der Bann gebrochen: Blitz ans Blitz und Schlag ans Schlag zuckt und kracht es herunter > hinauf, nach allen Seiten. Ein Fenermeer, ein Fencr- regen und Getöse wie rollendes Schnellfeuer ans Hunderten von Geschützen. Mit dem ersten Blitz­strahl fast brechen auch die Wassermassen herab,- wie Stnrzbäche tgsen sie hernieder, und der Sturm schlendert sic dahin und dorthin" s23>.

Trotz der so ganz außerordentlichen Heftigkeit der elektrischen Entladungen und trotz der Häufig­keit der Gewitter sind Blitzschläge verhältnismäßig selten, wenigstens im Hochland,- an der Küste wird von zahlreicheren berichtet. Aber auch da be­schränken sie sich ans leblose Objekte: F-laggmaste, Bäume und dergleichen.- am häufigsten sollen Kokospalmen von ihnen betroffen werden. Bon vom Blitz erschlagenen Menschen berichtet keine Quelle.

Feuchtwarme, malariabrütende Urwaldmederungen; gesunde, reine, teils fast nördlich kühle, teils heiße, aber trockene Steppenhochlande; hier Regen­güsse Tag für Tag, dort monatelange Trockenzeiten mit niederprasselnden Tornadohagelschauern; endlich die feuchtheiße Flachbeckensenke eines in Auf­lösung begriffenen Binnenmeeres:-ein Land der geographischen Gegen­

sätze in all und jedem, wie kaum ein zweites unter den Tropen.

V. Die (eingeborene) Bevölkerung,

u) Völkergruppen und -scheiden.

Drei große Bevölkerungsgruppen treten uns entgegen: Bant u- neger, Sudan neger und Nicht-Negerrassen ungehörige, fremde Einwanderer. Unberücksichtigt kann vorerst füglich bleiben der spärliche Rest einer Urbevölkerung, der so ziemlich auf dem ethnographischen Aus­sterbeetat steht; Näheres darüber später.

In Beziehung zur geographischen Gliederung Kameruns gebracht: die Bantuneger bevölkern das gesamte Urwaldgebiet, also das Küstenvorland und den südlichen Teil des Südkameruner Hochlandes. Dessen nördlicher Teil, das Hochland von Südadamaua, die Massivregion von Adamaua und das Tsadseegebiet werden von Sudannegerstämmen sowie den Nicht-Neger­rassen bewohnt.

Diese volklichen drei Hauptgruppen und das ist das weitere interessante Moment sind erst in jüngster Zeit im großen und ganzen zur Ruhe ge­kommen; kleinere Bevölkerungsteile wogen noch hin und her: das Bild afri­kanischer Völkerwanderungen entrollt sich vor uns (vgl. auch Schluß von Ab­schnitt II).

Wie wir uns die einstige Völkerwanderung verfielen,- dann, durch inneren oder äußeren An­in Europa nicht als ein ständiges, nomadisierendes stoß, begann cs anfs neue zu fluten und zu Hcrnmschiveifen der Stämme oder gar als ge- wandern so hier, in Kamerun, schlossene Bewegung geschlossener Massen vorstellen Daß dcrgestalteteFreizügigkeit" einer cin- dürfen gcnerationenlang trat oft gänzlicher oder wandsreien Volkszählung nicht gerade sehr günstig teilwciser Stillstand ein, Reiche entstanden und ist, sei nebenbei bemerkt.

Um ein einigermaßen klares Bild von dem derzeitigen Stand der Be­völkerung und der Gruppierung der volklichen Elemente uns zu verschaffen,