Periodicaltome 
Bd. 1 (1911)
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Kamerun.

Markt verkehr eine Höhe erreicht, von der man sich schlechterdings keme Vorstellung machen kann.

Schon bei den höherstehenden Heidenstämmen und -staaten, wie den Tikar, Wüte u. a., übertrifft er weit den in einem Sudandorf oben geschil­

derten Betrieb.

In Bamiiin z. B.wird zweimal in der Woche größerer Markt abgehalte», Dienstag nnd Freitag. Air den Freitaginärkten finden auch bisweilen Reiter­spiele statt.

Bor TageSgrancn bereits ziehen vom offenen Land herein in Scharen die Berkänser der ver­schiedensten Landesprodnkte und Industriecrzeng- nisse, sowie die Käufer von auswärts oder haben bereits tagS zuvor bei ihren Gastfrennde» Quartier genommen. Die Hnnffa legen ihre Schütze ent­weder in ihrem Viertel an den Wegen zierlich geordnet zur Schau oder beziehen damit gleichfalls ans dem grossen Marktplatz die ihnen ziigeiviescnen Plätze. Denn es herrscht eine ausgesprochene Markt­ordnung und strenge Marktpolizei unter dem,Ss>!r- rikin känuft,wiesdieHa»ssaden Marktmeistcr nennen.

Ein Gewühl von viertausend bis fünftnnsend Menschen sicherlich wogte ans dem Platze, als ich

ihn zur Mittagszeit, wo das Treiben am lebhafte­sten ist, besuchte. Tie von den Hanssa zu Markt gebrachten Waren sind die gleichen, wie sie die Sndnntanslente überall in den Adamnnastädten feilbieten: Leder-, Flechtarbeiten, Eisengegen- stände, Stroyteller, Stranfffedern, Tücher nsw. (siehe Abb. S. düs. Die Bamn», eigenen Iii- dnstricerzengnisse sind hauptsächlich Eisen-, Holz-, Ton- und Flechtarbeiten. Bedeutend war die Zahl des zugctriebenen Kleinviehes,- auch Buckel­rinder von Tibati standen znm Verkauf nnd Pferde, nlS deren Ursprungsland mir Ngaunidere bezeich­net ward. Auch Baumwolle kommt auf den Markt, sowie Gummi.

Letzterer wird hier in Wnrstform in den Handel gebracht, nicht wie im Urwald in Form von ans je fünfzig kleinen Kügelchen gebildeten Dvppel- tafeln" (Hutter in 6).

In den Bevölkerungszentren Adamauas, wie Ngaumdere, Tibati, Banjo, Pola, Garua usw., entrollt sich das Getriebe eines Markthandels und Ver­kehrs im größten Stile.

Auf den Märkten Adamauas kann man die weitestgehenden Bedürfnisse befriedigen. Der nackte Sklave aus den südlichen Negerländern wird gegen schöne Stoffe aus Timbuktu feilgeboten, gewichtige Elfenbeinzähne gehen für Waren europäischen oder indischen Ursprungs dahin; die vielbegehrte Kolanuß, dieses unentbehrliche Genußmittel Zentralafrikas, weit her von den Grenzländern Adamauas kommend, wird gegen Zeugstoffe einheimischer Baumwolle, welche in den Haussaländern angefertigt sind, umgetauscht. Kunstvolle Lederarbeiten, ebenfalls Erzeugnisse einer hochentwickelten Landes­industrie, wie Pantoffeln, Sandalen, Kissen, Reitstiefel, Sättel, Zaumzeug, auch Eisenwaren aller Art, wie Dolche, Messer, Schwerter, Lanzen, Hacken usw., reizen die Lust des Käufers, hübsche Pferde, Esel und Rinder werden herzu­getrieben; und vollends im bunten Gewühl des Lebensmittelmarktes sind alle nur denkbaren, zum Teil schon- erwähnten Bodenerzeugnisse vertreten. Hirse, Reis, Grnndnüsse, Pams, Kürbisse, Bohnen, Zwiebel, süße und saure Milch, Honig, Butter, Tabak, Kola kurzum der Markt, dieser Pulsschlag eines offenen und gesicherten Verkehrs zeigt, daß Adamaua von einer zahl­reichen kaufkräftigen, an Bedürfnisse aller Art, sowie an eine gute Lebens­führung gewöhnten Bevölkerung bewohnt ist" (36).

Und vollends in Deutsch-Bornu müssen Dikoa, nach Kukas Fall das kom­merzielle Zentrum des mittleren Sudan, Kusseri u. a. geradezu als Handels­emporien ersten Ranges bezeichnet werden.

Nachtigal hat die Märkte in Knka, die von Die Schilderung hier anfzunchmcn, verbietet der zwanzig- und dreißigtansend Menschen besucht Raum- sie findet sich in seinem RcisewerkSahara werden, in unübertrefflicher Weise geschildert, und Sudan" Bd, I, S. 671 ff.

§) Kultur- (im engeren Sinn) und Sittenleben.

War bisher die Vielheit, vom Staat oder Stamm bis herunter zur Ver­einigung von Mann und Frau in der Ehe, sowie die verschiedengestalteten,