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S i e d e l u n g e n.
Von dem Einzelhause müssen wir ausgehen.
Dieses, d. h. seine Form ist eines der wichtigsten ethnologischen Unterscheidungsmerkmale zwischen Bantu- und Sudanneger.
Ja noch mehr. Auf den drei Formen der Behausung (Giebeldach-, Kegeldachhaus und Bienenkorbhütte) baut sich in erster Linie die geistvolle Hypothese der verschiedenen Kulturkreise und -schichten in Afrika auf. Natürlich spielen bei den Bauweisen auch die lokalen Verhältnisse: Baumaterial, Klima usw. eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Die charakteristische Form des Bantuhauses ist das rechteckige Giebeldachhaus; die charakteristische Form des Sudanhauses ist das runde Kegeldachhaus. Da wo die beiden großen Negergruppeu zusammenstoßen, finden sich Übergangsformen. Innerhalb der beiden Gruppen finden sich verschiedene Bauweisen; auch die größere oder geringere Sorgfalt der Ausführung des Baues zeigt verschiedene Stämme, meist auch auf verschieden hoher sonstiger kultureller Entwicklung stehend, an.
Die älteste Behausungsform, die Bienenkorbhütte, wird in Kamerun von den Haussa und den nomadisierenden Borroro als flüchtige Marschhütte auf ihren Wanderungen errichtet (sogenannte „88ong'o"; siehe Abb. weiter unten: Haussaviertel in Bamum). Bei den Musgu jedoch ist diese Form der Typ für ihre Behausungen geblieben und wird sorgfältig in Lehmbauten ausgeführt (siehe Abb. S. 103).
Zuerst uns den Bantustämmen zuwendend, können wir innerhalb der oben gekennzeichneten „Norm" zwei ziemlich verschiedene Bauweisen unterscheiden.
Zwei Reihen dünner Baumstämme oder starker Pfähle werden, gleichlaufend zueinander, in der beabsichtigten Hausbreite entfernt, fest in den Boden gerammt und durch wagerecht gelegte dünnere, gerade Stämmchen zum Teil, zum Teil durch die Blattrippen der Wein- und Olpalme zu einem grobmaschigen Gitterwerk verbunden. Als Bindemittel dienen junge, zähe Lianen. Das sind die beiden Längswände des zukünftigen Hauses. Nunmehr werden in der Mittellinie zwei, auch drei stärkere, 4 bis 6 m lange Stämme als Pfosten eingegraben, die Giebelwände in gleicher Weise errichtet wie die Längsseiten, auf die oben eingekerbten Dachpfosten ein langerund aus beiden Seiten über die Bodensläche überragender Stamm gebunden. Sodann werden lange Palmblattrippen im rechten Winkel über den Firstbalken gelegt, auf ihm abgeknickt und oben an die Längswände festgebunden, etwa m über sie hinausstehend. Der Rohbau ist fertig. Das flache Dach wird mit aus Palmblättern gefertigten viereckigen Mattenstücken, etwa 2 in lang, 0,60 in breit, eingedeckt, wobei von unten gegen den First zu begonnen wird. Die Seitenwände werden gleichfalls mit Matten, die bei manchen Stämmen sehr sorgfältig und hübsch geflochten sind, verkleidet. Als Tür dient ein Stück von gleicher Herstellungsart wie die Hauswände; sie wird einfach von innen oder außen nach Bedarf angelehnt. Diese leichten, luftdurchlässigen Hütten haben - meist nur einen großen Jnnenraum (23).
Natürlich kommen Verschiedenheiten bei den einzelnen Stämmen vor.
Diese Bauweise findet man häufig bei den Fang (siehe Abb. S. 87, 101, 103, 105, 110). Doch auch eine ganze Anzahl K a m e r u n b a n t u-