So sind alle Omaanda bis auf diesen Tag geteilt. Außer ihnen gibt
es noch eine Eanda, welche die Herero nicht als solche rechnen. Die Frau dieser letzten Eanda hieß: Kapangure des Hauses des Ondungaua der Otjikojo Omukonatja, d. h. die, welche keine Eanda hatte.
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Siebentes Kapitel.
Die ^arnilienverhältniffe.
1. Die Geburt.
Auch bei den Herero ist die Geburt eines Kindes ein freudiges Ereignis, für das schon im voraus allerlei Fürsorge getroffen wird.
Zunächst wird in der Nähe des heiligen Altars eine mit Gras und
Fellen gedeckte Hütte für die Wöchnerin gebaut. Ist das erwartete Kind ein Knabe, so findet dieses „Haus der Wöchnerin" (oucljuo Mnug-ri) auf der Südseite, bei einem Mädchen auf der Nordsette des heiligen Pontok seinen Platz. Diese Hütte ist ebenso wie ihre Bewohnerin „heilig", u semu, d. h. nicht zu berühren. Weder der Ehemann — er lebt deshalb während dieser Zeit auf einer Nebenwerft — noch sonst jemand außer der Hebamme dürfen sie betreten, solange die Wöchnerin darin liegt. Das dauert etwa drei
Wochen. Zwei Öffnungen in der Hütte, deren eine dem Altar zugewendet ist, während die andere aus der entgegengesetzten Seite sich befindet, ermöglichen den Zutritt. Die letzten drei Monate ihrer Schwangerschaft hat die reiche Hererofrau meist liegend in ihrem eigenen Pontok zugebracht, ohne daß diese träge Ruhe die Leichtigkeit des Geburtsaktes irgendwie beeinträchtigte. Diese ist vielmehr ganz erstaunlich groß. Ein Beispiel statt vieler möge genügen. Die Magd des Missionars Diehl in Okahandja arbeitete noch fleißig in der Küche und sagte dann zu ihrer Herrin, sie müsse eben einmal ins Feld gehen. Schon nach einer Viertelstunde kehrte sie zurück, auf dem Rücken ihr eben neugeborenes Kindlein im Rückenfell (otjivsi'sko) mit sich tragend. Sofort nach der Geburt bringt man die Wöchnerin aus ihrem Pontok in das Wöch- nerinnenhaus, in das sie durch die Hintere Türe hinein kriecht, auf ihr Lager. Wind und Wetter haben hier ungehinderten Zutritt; die Folge ist, daß die meisten Wöchnerinnen bald erkranken und oft lange leiden. Ist das Kind geboren, so ruft die Hebamme es in die Werft hinaus. Ist's ein Knabe, dann heist's: „olruutu", d. i. ein Bogen; ist's ein Mädchen, so lautet der Ruf: „ostnMu", d. i. ein Zwiebelchen! Bei der Geburt eines Sohnes rennt der glückliche Vater voll Freude in der Werft herum und schreit ebenfalls: ^ostautu. ostauts."! ein Bogenschütz! und alle Männer der Werft wiederholen