Jahrgang 
1911: 1909/1910 / hrsg. vom Reichskolonialamt
Entstehung
Seite
535
Einzelbild herunterladen
 

B. Ostkarolinen (Ponape). Allgemeines.

535

B. Ostkarolinen (Ponape).

(Berichterstatter: Regierungsarzt Girschner.)

I. Allgemeines.

Die allgemeinen Gesundheitsverhältnisse auf der Insel ge­stalteten sich leider in dem verflossenen Berichtsjahre nicht günstig. Die von Neu-Guinea im vorhergehenden Jahre eingeschleppte Dysenterie trat im Juli 1909 von neuem auf und dauerte bis zum Ende der Brotfruchtzeit, wo die Fliegenplage anfängt etwas gelinder zu werden.

Es sind im ganzen behandelt worden 72 Fälle dieser Krankheit (67 Farbige, 5 Europäer). Davon starben 8 Farbige, kein Europäer. Im Gegensatz zum vorigen Jahre erkrankten die Arbeiter des Be­zirksamtes diesmal nur in geringer Zahl und in leichter Weise; die Mehrzahl der Krankheitsfälle betraf die außerhalb der Kolonie wohnenden Eingeborenen. Fast sämtliche Befallene wurden im Krankenhause behandelt, und nur einige wenige, deren Transport hierher nicht möglich erschien, außerhalb in ihren Hütten. Ob die Epidemie hiermit endgültig erloschen ist, läßt sich nicht mit Sicher­heit angeben, wahrscheinlich ist ihr Wiederauftreten Mitte des Jahres. Um der Ausbreitung der Krankheit in der Kolonie vorzubeugen, wurden an geeigneten Stellen Aborte eingerichtet, die jeder Arbeiter zu benutzen angehalten war, und für deren Desinfektion Sorge ge­tragen wurde. Beträchtliche Schwierigkeiten bot die Unterbringung und Versorgung der Patienten im Krankenhause. Der Abort liegt auf dem äußersten Ende einer ins Meer gebauten Steinwerft, in zu großer Entfernung von dem Krankenhause, das vorher als Arbeiter­wohnung benutzt wurde. Um Verunreinigungen des Bodens zu ver­hüten, wurde jedem Kranken ein größeres Blechgefäß zum Gebrauch zugewiesen, das alsbald nach Untersuchung der Entleerungen mit Karbolseifenlösung gereinigt wurde. Die zur Unterbringung von an­steckenden Kranken bestimmte kleine Hütte, dicht am Meeresufer gelegen, erwies sich für diese Zwecke als unzureichend. Sie ist deshalb entfernt worden. Der schlammige Untergrund wurde durch Aufschüttungen erhöht, das Ufer gegen die See durch einen Steindamm gesichert und auf diesem Platze aus einheimischem Mate­rial (Rohrwänden, Blätterdach) ein Gebäude aufgerichtet, das in sechs getrennten Abteilungen etwa 20 bis 30 Menschen Unterkunft zu bieten vermag. Zu gleichen Zwecken wurde noch eine kleine Hütte von ähnlicher Beschaffenheit auf einer Anhöhe errichtet, die im Not­fall auch für einen Europäer mit Bedienung ausreicht. Das aus dem Nachlaß eines verstorbenen Kaufmanns vom Bezirksamt angekaufte Häuschen ist für Krankenhauszwecke zur Zeit nicht verwendbar, da es Arbeitern des Bezirksamts zur Unterkunft dienen muß.

Auch die Influenza verschonte in diesem Jahre nicht die Insel. Es wurden wegen dieser Krankheit 130 Farbige und 4 Euro­päer behandelt, gestorben sind zwei Farbige.