Jahrgang 
1908: 1906/1907
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16

Produktion.

VI. Die wirtschaftliche Entwickelung.

a) Kan-wirtschafktiches.

Taifune und Schildlauskrankheit haben die Kopra- produktion der West-Karolinen auf Jahre vernichtet.

Die Kokosbestände in Jap sehen traurig aus: die vor Jahren hier ausgebrochene Schildlauskrankheit hat sich nach und nach über die ganze Insel verbreitet, sie wird ohne Zweifel alle Kokospalmen vernichten. Dieselbe Krankheit tritt vereinzelt auch auf andern Inseln auf: Palau. Sonserol, Saipan, Assongsong. Es wird natürlich kein Maßregeln versäumt, sie im Keime zu unterdrücken. Aber diese menschlichen Mittel vermöchten kaum etwas gegen die Verbreitung der zu Millionen auftretenden, nicht nur die Kokos sondern fast alle Pflanzen befallenden Schildläuse, wenn nicht lokale und individuelle Veran­lagung ihr entgegenwirkten. In Jap gibt es wenig jungen Bestände, ihr heutiges Durchschnittsalter ist 60 bis 70 Jahre. Wo Eingeborene pflanzen, tun sie es in der Weise, daß sie an den Pflänzlingen den Keimballen entfernen, um ihn zu essen, wodurch den jungen Bäumen der beste Nahrungsstoff entzogen wird, so daß sich die­selben nur kümmerlich entwickeln. Die Höhen sind ent­waldet, der reichliche Regen fließt rasch ab und versorgt die Pflanzen nicht nachhaltig mit Feuchtigkeit. Der Boden enthält keinen Kalk, keinen Humus, die Eingeborenen be­reiten nicht wie anderwärts die Kopra an Ort und Stelle, sie verkaufen die Nüsse an die Händler, die Kokosschalen, sonst die Hauptstoffe der Humuserzeugung, sammeln sich an den Händlerstationen, werden ins Meer geworfen, dem an sich schon armen, kaum zur Kokoskultur geeigneten Boden werden dadurch fortgesetzt Nahrungsstoffe entzogen. Alte, überständige Bäume, die sich gegenseitig Licht, Luft und Nahrung streitig machen, von Geburt mit einem geringen Lebensfonds ausgestattet sind und auf schlechtem Boden wurzeln, werden nun von einer verheerenden Seuche befallen, da ist es kein Wunder, daß sie sterben und den rachitischen Nachwuchs mit in ihr Verderben ziehen.

Die in Jap und Palau ansässigen Firmen (1 ameri­kanische und 2 japanische) haben aber in der Erwerbung und Ausfuhr von Perlmuttermuscheln einen lohnenden Ersatz für die Kopra gefunden.

Die verminderte Kaufkraft der Eingeborenen ver­ringerte die Einfuhr von Handelswaren.

Auf Jap sind im ganzen 39, auf Palau 12 Stück Rindvieh und 3 Pferde. Auf beiden Inseln soll an geeigneten Stellen eine rationelle Viehzucht eingerichtet werden.

Auch auf den Mari anen hatten die Taifune im Jahre 1905 die Kopraproduktion und -ausfuhr unter­brochen, und vereinzelt wurde auf Saipan die Schildlaus an spät und zur Unzeit verpflanzten Palmen beobachtet,' die Blätter waren über und über mit ihnen bedeckt. Die Palmen aber wuchsen an, überwanden die mit jeder Verpflanzung verknüpfte Krafteinbuße und nach wenigen Monaten war nicht eine Schildlaus mehr an ihnen zu finden. Es kann als sicher gelten, daß dieser Schädling wie so mancher andere nur bereits kranke, lebensschwache Individuen befällt, auf gesunden aber im allgemeinen nicht gedeiht. Hiernach haben sich auch die zur Hebung der Plage an­zuwendenden Mittel zu richten: Also nicht Heilung und Fortpflanzung der kranken, sondern Heranzüchtung neuer Bestände von gesunden Stämmen, aus unversuchten Inseln.

Auf Saipan ist also nicht wie in Jap mit einer dauernden Vernichtung der Kokosbestände zu rechnen. Sie haben sich im Gegenteil bereits heute auf allen Inseln wieder erholt und Früchte angesetzt. Seit Beginn der deutschen Herrschaft wurden jährlich wachsende Flächen mit Kokospalmen bestellt, die allmählich tragbar werden