Deutsch-Südwestafrika.
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VII. Wirtschaftliche Entwicklung.
tO Allgemeines.
Die wirtschaftliche Entwickelung war in den einzelnen Teilen des Schutzgebietes verschieden. Im allgemeinen ist ein Fortschritt unverkennbar.
Bevor eine völlige Gesundung der Verhältnisse eintreten kann, ist eine partielle Krisis unvermeidlich, da die Geschäfte, welche hauptsächlich auf den Bedürfnissen des Krieges beruhen, nach Beendigung des Ausstandes infolge der dann eintretenden Verringerung des Truppen- bestandes und des militärischen Personals (Arbeiter, Frachtführer usw.) in der bisherigen großen Zahl nicht mehr fortbestehen können. Auch die Einnahmen der dann noch bleibenden Geschäfte werden sich erheblich vermindern, da die jetzigen hohen Preise auf die Dauer nicht beibehalten werden können.
Falls die Geschäftsinhaber die Notwendigkeit der Ansehung normaler Preise nicht rechtzeitig erkennen, setzen sie sich der Gefahr aus, daß die Bevölkerung durch Schaffung von Konsumvereinen usw. sich selbst hilft.
Die Küstenplätze Swakopmund und Lüderitzbucht, der Norden und die Mitte des Landes und der Süden nehmen je eine gesonderte wirtschaftliche Stellung ein.
Aufschwung Lüderitzbuchts. Am günstigsten war die Entwickelung von Lüderitzbucht.
Das Baugewerbe blühte hier dank der regen Bautätigkeit, auch die Handelsgeschäfte, Handwerke, Gast- und Schankwirtschaften infolge der ständig zunehmenden Bevölkerung und des regen Verkehrs während des ganzen Berichtsjahres. In den ersten acht Monaten des Berichtsjahres, ehe die Bahn bewilligt und die Einwanderungsbeschränkungen in Kraft getreten waren, machte sich mitunter Arbeitslosigkeit unter den Weißen Arbeitern bemerkbar. Es handelte sich dabei, wie im Abschnitt Bevölkerung schon gesagt, ausschließlich um Ausländer, Leute, die entweder mit einem Viehdampfer von Buenos Aires gekommen oder vom Transportwesen entlassen worden waren.
Als Mitte Dezember 1905 die Nachricht eintraf, daß der Bau der Bahn nach Kubub bewilligt sei, setzte eine zweite Periode kräftigen Aufschwunges ein, die bei Abschluß des Berichtsjahres noch anhielt.
Kaum ein zweiter Ort des Schutzgebietes hat sich in so kurzer Zeit aus einer kleinen Ansiedlung in ein betriebsames Städtchen entwickelt. Der Jahresbericht vermag nur einen Ausschnitt aus dieser Entwickelung zu schildern. Für die Vergangenheit knüpft er an den vorjährigen Bericht an, schließt aber in einem Zeitpunkt ab, wo die rasche Entwickelung nicht still stand und, was er an Zahlen bringt, ist daher naturgemäß in ganz anderem Maße bereits überholt, als das sonst bei einer Statistik bei Abschluß der Ergebnisse der Fall zu sein pflegt.
Östlich der im vorigen Jahre erbauten, mit einem 2 Tonnen Kran ausgerüsteten Landungsbrücke im Roberthafen wurde eine zweite 120 m lange Landungsbrücke erbaut und mit zwei Dampskranen von 5 beziehungsweise lO/z Tonnen Tragfähigkeit versehen. Daneben wurde westlich der ersteren Brücke zum Wasserlöschen noch ein besonderer Steg errichtet.
Zu Ausgang des Berichtsjahres waren im Landungsbetriebe tätig:
2 eiserne Leichter zu je 100 obm — 200 obm
2 Holzleichter zu je 40 obm .
. -- 80
1 Holzleichter zu 120 obm. .
. ----- 120
1 Holzleichter zu 60 obm . .
. ----- 60
1 eiserner Ponton zu . . .
. ---- 100
2 Wasserleichter zu je 60 obm
. ^ 120
4 Holzflöße zu je 50 obm . .
. ----- 200
Summe . .
880