Deutsch-Südwrstafrika.
I. Allgemeines.
Das Schutzgebiet stand im Berichtsjahre noch ganz Verhältnis zu den Ein unter dem Zeichen des Aufstandes. Im Süden führten geborenen,
die Hottentotten nach den Verlusten im April 1905 einen Kleinkrieg, der jedes Wirtschaftsunternehmen ausschloß; im Norden machten sich die Nachwirkungen des Herero- aufstandes noch fühlbar. Erst gegen Ende des Berichtsjahres erfolgte die Wiederaufnahme des Farmbetriebes in größeren: Umfange, wenn auch umherziehende Eingeborene das Vieh hier und da noch abzutreiben versuchten. Nur die Ruhe im Bezirk Grootfontein und Outjo wurde in keiner Weise gestört. In den übrigen Bezirken des Nordens ist durch die mit Hilfe der Rheinischer:
Mission eingerichteten Hererosammelstellen eine merkliche Wendung zum Besseren eingetreten, die am Ende des Berichtsjahres zu den besten Hoffnungen berechtigte.
Die Beziehungen zu Nechale haben sich auch in diesem Die Ovambos. Jahre nicht verändert. Es sind im Beginn des Berichtsjahres mehrfach Buren mit Handelsgütern bei Nechale gewesen und von ihm verschieden aber im allgemeinen nicht gerade unfreundlich aufgenommen worden. Aus ihren Erzählungen geht hervor, daß Nechale zwar den Deutschen feindlich gesinnt ist, aber zunächst kaum eiuen neuen Versuch wagen wird, in das Regierungsgebiet einzufallen, wenigstens nicht, solange die Grenzstationen stark besetzt sind, anderseits soll er auf einen Angriff gefaßt sein, und dafür alle Vorbereitungen getroffen haben. Inzwischen ist am 21. Januar 1906 eine Verordnung über den Verkehr im Ambolande erlassen worden, die diesen:
Verkehr sehr enge Grenzen zieht.
Ein Zusammenschluß der einzelnen Ambostämme hat auch in diesen: Berichtsjahre nicht stattgefunden. Nechale bleibt der Feind, Kambonde scheinbar der Freund der Deutschen; die andern treten in keine Beziehung zu uns.
Von dem Häuptling Nande von Oukuanjama behaupten die Missionare, daß er den Deutschen nicht unfreundlich gesinnt sei.
Von großem Werte ist es, daß viele Ovambo bei der Bahn, auf Stationen und vereinzelt auf Farmen arbeiten. Nur wenige bleiben allerdings dauernd oder für längere Zeit. Sie werden von den Häuptlingen immer für bestimmte Zeit und in der Regel nicht über 6 Monate beurlaubt. Wenn die Ovambo ferner zur Arbeit zu uus kommen, erweisen sie uns einen großen Dienst, während dadurch gleichzeitig die Gefahr der im Amboland so häufigen Hungersnot vermindert wird.
Die kriegerischen Verhältnisse haben im Berichtsjahre Kerichisweskn. den Gerichten eine bedeutende Mehrarbeit zugeführt.
Die Folge der zahlreichen Todesfälle war eine Überhäufung der Gerichte mit Nachlaßsachen, deren Erledigung noch durch die weiten Entfernungen und die schlechten Verbindungen sehr erschwert wurde. Besonders
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