Jahrgang 
1907: 1905/06
Entstehung
Seite
92
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I. Deutsch-Ostafrika.

B. Veterinärärztlicher Teil.

Berichterstatter: Tierarzt Dr. Lichtenheld.

I. Personalien.

Zur Wahrnehmung des veterinärärztlichen Dienstes standen der Gouvernementstierarzt Ochmann und ich zur Verfügung. Ersterer war dauernd in Daressalam beschäftigt. Seine Aufgabe bestand in der Überwachung der Vieheinfuhr, der Fleischbeschau und der Küstenfieberbekämpfung am Orte Daressalam. Ich arbei­tete zunächst % Jahr unter Geheimrat Koch und bereiste dann die Ansiedlungsgebiete am Kilimandscharo und Meru.

II. Seuchen.

I. K ii s t e n f i e b e r. Im Januar 1905 kam Geheimrat Koch nach Deutsch-Ostafrika, um die Grundlage für eine zweck­mäßige Bekämpfung des Küstenfiebers zu schaffen. Es handelte sich zunächst darum, festzustellen, ob eine Ausrottung der Seuche oder eine Immunisierung der nicht verseuchten Bestände ange­bracht sei. Die Entscheidung dieser Frage hing hauptsächlich von der Verbreitung der Seuche in der Kolonie ab. Um hierüber mög­lichst schnell einen Überblick zu erhalten, wurden aus einer grö­ßeren Anzahl von Viehherden der verschiedentlichsten Land­schaften je einige Rinder nach Daressalam gebracht, dort auf eine verseuchte Weide gebracht und beobachtet. Erkrankte ein Tier an Küstenfieber, so war hiermit der Beweis erbracht, daß sein Her­kunftsort seuchenfrei und im anderen Falle, daß er verseucht sei. Hierbei stellte sich heraus, daß das Küstenfieber bei weitem nicht so verbreitet, als man früher auf Grund der unsicheren Diagnosen, die auf Blutuntersuchungen basierten, angenommen hatte. Außer­dem trat beim Studium über den Verlauf des Küstenfiebers in Her­den, in denen es endemisch war, das Unerwartete zutage, daß ein sehr großer Teil des Kachwuchses der Seuche erlag (in Daressalam 80%). Daraufhin sah Geheimrat Koch von einer Immunisierung, die mittlerweile bei einer Anzahl von jüngeren Tieren versuchsweise eingeleitet worden war, ab und empfahl dem Gouvernement die Ausrottung der Seuche. Ich erhielt den Auftrag, die Verbreitung des Küstenfiebers genau festzustellen und Maßnahmen zu dessen Be­kämpfung in Vorschlag zu bringen. Diese Arbeit "wird bis Ende April nächsten Jahres beendet sein. Ich werde dann einen aus-