Jahrgang 
1907: 1905/06
Entstehung
Seite
56
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I. Deutsch-Ostafrika.

11. Schlafkrankheit.

Die zunächst am Victoria-Kyanza aufgetretene Krankheit hat sich dort auch weiterhin gezeigt und ist außerdem noch am Tanganyika nachgewiesen worden, wo sie vom Westen, vom Kongo­staat her, eingeschleppt worden ist. Leider sind überall im Schutz­gebiet durch das Vorhandensein der Überträge rinnen, der Glossinen, die Verbreitungsmöglichkeiten im weitesten Maße gegeben. Bei der ungeheuren Gefahr für das Schutzgebiet ist vom Beich eine Expedition unter Geh. Bat Prof. Koch entsandt worden, der es hoffentlich gelingt, Mittel und Wege zur Bekämpfung der Seuche zu finden.

Über die in Bukoba beobachteten Fälle von Schlafkrankheit berichtet Stabsarzt Dr. Feldmann:

a. Bei Europäern.

Ein hiesiger Kaufmann, Agent einer Fellfirma, litt seit seiner Anwesenheit in Bukoba an häufigen Fieberanfällen, die zirka alle 14 Tage auf traten. Erst während des letzten Fiebers am 27. März 1905 gelang es Berichterstatter zahlreiche Trypanosomen im peripheren Blute nachzuweisen und damit die Diagnose zu stellen.

Die Infektion ist wahrscheinlich vor 3 Jahren auf den Sese- inseln erfolgt, wo sich der Mann auf hielt, um Gummi zu sammeln.

Die Fieberanfälle waren stets sehr heftig und von starken Kopfschmerzen begleitet; das Schweißstadium war protrahiert. Der Kranke klagte über unbestimmte Schmerzen in der Brust, in der Herzgegend und im Epigastrium; Schwäche der Beine und Schmerzen in den Kniegelenken, im Kopf und Kacken. Kacken­drüsen waren fühlbar. Es bestand geringer Tremor der Extremi­täten, zuweilen Kvstagmus, spärlicher furunkelartiger Ausschlag, oft große Unruhe und Schlaflosigkeit.

Der Puls war sehr beschleunigt und leicht erregbar bis 160 Schläge in der Minute.

Der Kranke verlor in 6 Monaten 25 Pfund an Gewicht.

Der Berichterstatter behandelte den Kranken mit subkutanen Injektionen von arseniger Säure in der Form des Liquor arsenicalis Fowleri in steigender Dosis bis 0,03 acid. arsenic. pro die.

Die Wochen durchgeführte Behandlung hatte den Erfolg, daß die Fieberanfälle ausblieben und der Zustand des Kranken sich bedeutend besserte.