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Anlage L.III.
Deutsch-Neu-Gumea.
schlecht an eine Ordnung und vernünftige Lebensweise, an Bezähmung ihrer grenzenlosen Willkür und unmotivirten Wutbausbrüche und fast noch weniger an nützliche Beschäftigung gewöhnen. Keiner arbeitet mehr als er gerade muß, und dieses Müssen fühlt der Eingeborene so wenig, daß der Begriff der Notwendigkeit in der Sprache noch gar keinen Ausdruck gefunden und kein Wort für Müssen existirt. Der Eingeborne thut nur das, was ihm gerade für den Augenblick zusagt, was er eben will, und sonderbar genug will er meistens nicht, was man von ihm verlangt oder ihm anraten möchte, sondern er überläßt sich ganz seinen stets wechselnden Launen und kurzsichtigen und beschränkten Sinneseindrücken.
Vor einigen Monaten haben aber die etwas weiter entfernten Malol-Leute, über deren Mord- und Raublust ich schon früher an das Kaiserliche Gouvernement berichtet, wieder einige Leute der Neu Guinea-Co. überfallen und getödtet. Und wenige Wochen ist es her, daß dieselben abermals wie auch im vorigen Nordwest nach dem Binnenlandsdorfe Pultalu zogen, mehrere Eingeborene tödteten und, wie man allgemein hört, das ganze Dorf einäscherten, so daß kein Haus übrig geblieben sein soll. Leider war es uns bislang noch nicht möglich, uns an Ort und Stelle durch Augenschein von dem Geschehenen zu überzeugen. Ist nun auch das Maß und der Grad der Zerstörung noch nicht ganz verbürgt, so dürfte doch an der Thatsache selbst wohl schwerlich zu zweifeln sein. Die Pultalu-Leute sind nun nach allen Richtungen versprengt, und außer den Erschlagenen werden zweifelsohne noch manche an den Folgen des schütz- und obdachlosen Umherirrens zu Grunde gehen. Deshalb muß die ohnehin schon so dünne Bevölkerung hiesiger Gegend durch derartige Anfälle und Zustände noch mehr und schneller zurückgehen. Es dürfte sohin wohl an der Zeit sein, daß die Malol-Leute, die schon so viel auf dem Kerbholze stehen haben und stets übermüthiger werden, mal endlich eine wohlverdiente und nachhaltig wirkende Lektion erhalten.
Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß auf der Insel Aly im März 1901 endlich die geplante Station St. Anton gegründet werden konnte. LUder war es uns nicht eher möglich hinzugehen, weil unsere vielfachen Zimmerarbeiten nur langsam voranschritlen. Der mit diesem Posten betraute Pater Klaff! ist jetzt mit dem Studium der Sprache beschäftigt, und wird es wohl noch etwas anstehen bis die Schule in Thätigkeit treten kann. Gebe dann Gott gutes Gedeihen.
v) Ost-Karolinen.
1. Katholische Mission.
Die katholische Mission ist dem Orden der Kapuziner der Provinz Arragonien anvertraut. Die Leitung liegt in den Händen des Pater Superior Josä de Tirapu. Die Mission übt zur Zeit ihr Werk nur auf Ponape aus; sie besteht aus drei Vätern und sieben Laienbrudern. Sie hat mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, da mit dem Abzüge der spanischen Regierung die gewährte Unterstützung an Baumaterial und Geld aufhörte. Trotz ihrer beschränkten Mittel haben die Vätcr eine neue Kirche in Roi, im Stammesgebiet von Kiti, aufgerichtet. Die Gemeinden von Jokaj und Not stehen unter dem Pater Superior, die Gemeinden in Arrak und Roi untern den Vätern Johannes und Bonaventura.
Die Mission unterhält neun Schulen. Ihr Bestand und ihre Thätigkeit wird durch nachstehende Tabelle veranschaulicht.