Kamerun.
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Anlage «. IN.
Regierungsschulen.
rr) Jahresbericht über die Regierunqsschiile in Duala vom 1. Juli 1900 bis 30. Juni 1901.
Die Schularbeit ging in diesem Berichtsjahr ihren gewiesenen Gang. Der erste Hilfslehrer Senga Kuo war von Juni bis Oktober zur Vertretung des in die Heimat zurückgekehrten Lehrers Fischer an der Regierungsschule in Victoria thätig. Der zweite Hilfslehrer Richard Dikume wurde am 1. Juli wegen Untauglichkeit entlassen. So mußte die ganze Arbeit von dem Regierungslehrer allein bewältigt werden. Es wurden drei Klassen mit zusammen 115 Schülern in wöchentlich 45 Stunden unterrichtet. Nach Ruckk.hr des Hilfslehrers Kuo übernahm dieser die dritte Klasse (wöchentlich 15 Stunden).
Auf die älteste Klasse, die Ostern 1901 zur Entlassung gekommen ist, entfielen 12 Knaben. Davon fanden Verwendung:
3 als Kanzlisten,
1 als Postgehilfe,
2 als Schreiber bei der Kaiser!. Schutztruppe und 2 als Verkäufer in den Missionshandlungen.
Die Uebrigen haben bis jetzt noch keine Anstellung gefunden.
Das zu Grunde gelegte System, die deutsche Sprache als alleinige Unterrichtssprache in allen Klassen zu gebrauchen, wurde streng durchgeführt, und hat es sich gezeigt, daß thatsächlich unter Aufwendung von einiger Zeit und Mühe ein wirklicher Erfolg des Schulunterrichtes sich erreichen läßt, auch ohne daß die Muttersprache zur Grundlage dient. Die Leichtigkeit der Auffassung bei den Dualas und der zeitweilig recht erfreuliche Fleiß tragen wesentlich zur Erleichterung der Arbeit bei. Doch gehen die Erfolge der Schule bald wieder verloren in Folge der genügend bekannten Charaktereigenschaften der Dualas, so daß die meisten der herangebildeten Schüler praktisch wenig zu verwenden sind.
Die wenigen, aus dem Südbezirk von Kamerun gekommenen Schüler (Batanga und Lolodorf) verbinden mit derselben leichten Auffassungsgabe wie die Dualas einen wirklichen Lerneifer und vor allen Dingen eine weit größere Ehrlichkeit. Eine Regierungsschule in einem dieser Bezirke errichtet, müßte unbedingt größere Erfolge erzielen, als dies hier möglich ist. Einigemal kamen auch von den Herren Bezirksamtmännern der Stationen des Südbezirks Anfragen, ob tüchtige Jungen (in einem Falle 15) in die Regierungsschule aufgenommen werden könnten. Leider ist die Schule überfüllt, so daß die Knaben zurückgewiesen werden mußten.
Im Laufe des Jahres verließen 4 Schüler die Schule, um zur Schutztruppenkapelle überzugehen. 16 mußten theils wegen überführter Diebstähle, theils wegen großer Faulheit entlassen werden. Zu Ostern 1901 erfolgte mit Beginn des neuen Schuljahres die Aufnahme von 15 neuen Schülern, so daß augenblicklich 98 Schüler (darunter 1 Mädchen) die Schule besuchen. Diese werden unterrichtet in drei Klassen, von denen die dritte und erste je zwei Jahrgänge haben. Die Unterrichtsgegenstände in den