Jahrgang 
1913: 1910/11
Entstehung
Seite
564
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IV. Südwestafrika.

borenenlazarett der Otavi - Minen- und Eisenbahn - Gesellschaft in Usakos, Eingeborenenkrankenanstalten der Diamantgesellschaften, der Bahnbaufirma Lenz & Co. im Süden und des Baukonsortiums Bachstein-Koppel im Norden (für letzteres nur 4 Viertel­jahrsnachweisungen für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezem­ber 1911 über den Zugang von farbigen Kranken im Baulazarett Windhuk).

18. Kasuistik.

Pocken.

Ein Fall von Pocken bei einem Weißen wurde beobachtet in Ukamas bei einer Burenfrau (Berichterstatter Oberarzt Dr. Schmidt). Die Frau war in Ukamas ansässig, hatte seit Jahren den Ort nie verlassen. Eine sichere Ansteckungsquelle war nicht zu ermitteln, jedoch war das Wohnhaus der Erkrankten das Absteige­quartier für durchreisende Buren, die häufig auch aus der Kap- kolonie herüberkommen. Unter den Eingeborenen ließen sich weder am Platze noch innerhalb des Polizeibezirkes verdächtige Erkran­kungen feststellen. Der Fall verlief ohne Komplikationen unter dem klinischen Bilde der Variolois. Eine Weiterverbreitung fand nicht statt, die Isolierung wurde mangels geeigneter Krankenräume im Hause der Erkrankten durchgeführt.

Ob die Frau früher geimpft war, ist aus dem Bericht, nicht zu ersehen; wahrscheinlich war sie aber wie die meisten Buren hierzu­lande nicht geimpft.

Für die Indolenz der Buren bei den Pocken ist recht bezeichnend folgende Tatsache:

(Berichterstatter Dr. -Zachlehner): Im September 1908

erkrankte in Grootfontein ein Weißer an Pocken, der vor 14 Jahren in Amerika geimpft war; die Krankheit verlief typisch, aber leicht, Heilung nach 3 Wochen. Es ließ sich nachträglich feststellen, daß der Erkrankte auf dem Wege von Tsumeb nach Grootfontein bei einem Buren übernachtete, dessen eine Tochter an Pocken erkrankt gewesen sein soll; auch sollen außerdem in jener Zeit noch mehrere Pockenfälle unter der Burenbevölkerung des Bezirkes aufgetreten sein, ohne daß dem Bezirksamt irgendeine Mitteilung darüber zu­ging. Jedenfalls sind die ungeimpften Buren die einzigen Weißen, die ab und zu hier an Pocken erkranken.

Auch in Karibib war 1906 der einzige Weiße, der gelegentlich einer unter den Ovambo herrschenden Pockenepidemie erkrankte, ein nicht geimpfter Bur. (Eigene Beobachtung.)

Unter den Eingeborenen sind von echten Pocken 20 Fälle be­richtet, davon 17 aus Lüderitzbucht mit 1 Todesfall.

Eine pockenähnliche Erkrankung kommt hier bei den Einge­borenen öfters vor (10 Fälle). Die Fälle verlaufen gewöhnlich sehr leicht, ohne Schleimhautaffektionen, und werden gewöhnlich als