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1913: 1910/11
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I. Deutsch-Ostafrika.

daß man durch energische vorübergehende Verfolgungsmaßregeln einen Teil der Ratten verjagt und damit zur Ausbreitung der Rattenpest bei­trägt. Der Befund von infizierten Ratten in weiter Entfernung von Muansa hat mich in der Ansicht bestärkt, daß es ein kostspieliges und wenig aussichtsvolles Unternehmen wäre, unter den hiesigen Bedingungen die letzte pestkranke Ratte im Bezirk aufsuchen und vernichten zu wollen. In dieser Erwägung halte ich gegenwärtig auch irgendwelche Maßnahmen in Kajense und Guta nicht- für notwendig.

In Muansa sind seit Ende April keine infizierten Ratten mehr zur Beobachtung gekommen. Trotzdem halte ich es aber nicht für angebracht, daraufhin an eine vollkommene Ausrottung der Rattenpest zu glauben und weitere Maßnahmen gegen die Rattenplage für überflüssig zu halten. Die Sanitätsdienststelle führt die ins Werk gesetzten Maßregeln nach einem verabredeten Plan weiter fort und wird vierteljährlich, wie die Dienst­stellen an der Küste, die Anzahl der vernichteten Ratten melden.

In letzter Zeit hat das Bezirksamt verschiedenen Sultanen im Be­zirk schriftkundige Schüler zur Unterstützung beigegeben mit dem Auf­träge, der Behörde über wichtigere Vorkommnisse in der betreffenden Eand- schaft schriftlich Mitteilung zu machen. Man hofft auf diese Weise auch über auftretende Seuchen unterrichtet zu werden. Um eine möglichst zuverlässige Berichterstattung zu gewährleisten, habe ich im Einver­ständnis mit dem Bezirksamt bestimmte Fragen in bezug auf Pest und Pocken zusammengestellt, die in jedem Falle zu beantworten sind.«

3. Malaria.

Wie im Vorjahre, so war auch im Berichtsjahre der Stand der Malaria ein verhältnismäßig günstiger. Dieser Umstand ist in­dessen nicht allein auf die hygienischen Maßnahmen, sondern bis zu einem gewissen Grade auch auf die seit der großen Regenzeit 1905/06 herrschende Trockenperiode zurückzuführen, die allerdings am Ende des Berichtsjahres reichlichen Regenfällen fast im ganzen Schutzgebiet wich, so daß an vielen Orten sich ein deutliches An­steigen der Erkrankungsziffer an Malaria bemerkbar machte.

Trotz relativ hoher Zahlen ist der Stand der Malaria aber immerhin noch als günstig zu bezeichnen angesichts der erheblichen Zunahme der Europäer, von denen weitaus die meisten unter relativ ungünstigen Bedingungen auf Pflanzungen, am Bahnbau usw. be­schäftigt sind. Ein erhebliches Ansteigen der Morbiditäts- und Mortalitätsziffer wäre somit berechtigt gewesen.

Wie in den beiden vorhergegangenen Berichtsjahren soll auch diesmal wieder der Stand der Malaria am Stande der Seuche unter den Europäern dargestellt werden.

Aus der nachstehenden Tabelle, welche die aus der Behandlung der Europäer im gesamten Schutzgebiete genommenen Zahlen (die Zahlen enthalten Zivilpersonen und Schutztruppenangehörige) um­faßt, ergibt sich, daß die Erkrankungen an Malaria und Schwarz- Wasserfieber immer noch ein Drittel aller behandelter Krankheiten, die Todesfälle an genannten Krankheiten aber nur noch ein Sechstel aller Todesfälle einnehmen.