Anlage 1.
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Anlage 1.
Bericht
über die gesundheitlichen Verhältnisse beim Bahnbau Morogoro— Tabora bis zum 30. April 1909.
Von Dr. Lenz.
(Vgl. Medizinal-Jahresbericht 1905/06.)
Von der Bauleitung der Firma Ph. Holzmann zur Verfügung gestellt.
Wie bei dem Bahnbau Daressalam—Morogoro wurde auch bei der Fortsetzung, die im Anfang des Jahres 1908 begonnen wurde, ein Gesundheitsdienst eingerichtet. Von vornherein war beabsichtigt, ihn auf alle bei dem Unternehmen beschäftigten Personen, Europäer und Farbige, Angestellte und Unternehmer, auszudehnen.
Naturgemäß war im Beginn die Zahl der Arbeitenden geringer; je weiter die Baustrecke sich ausdehnte, um so größer wurde die Anzahl der daran Beschäftigten. Dementsprechend trat auch der Gesundheitsdienst nicht von vornherein mit dem vollen auf eine große Strecke und Tausende von Arbeitern berechneten Umfange in Tätigkeit. Er mußte sich mit der Bautätigkeit erst entwickeln.
Von dem ersten Bau her waren noch Medikamente usw. in Daressalam vorrätig, ein Arztgehilfe war mit der vorläufigen Wahrnehmung des Dienstes beauftragt. Für Krankheitsfälle ernsterer Art unter den Europäern wurde die Hilfeleistung der im Dienste des Kaiserlichen Gouvernements stehenden Ärzte in Anspruch genommen und gewährt.
Im Juli traf ein Arzt und drei weitere Arztgehilfen ein. Nach vorübergehendem Aufenthalt in Daressalam zur Einrichtung des Betriebes ging der Arzt nach Morogoro, die Gehilfen wurden auf der Strecke bis Km 38 verteilt.
In Morogoro wurde eine Lazarettbaracke aufgestellt und daneben ein Krankenlager für farbige Arbeiter eingerichtet.
In Morogoro waren unter den Europäern einige Typhusfälle aufgetreten, und unter den Schwarzen machte sich die Wurmkrankheit bemerkbar. Becht häufig waren von Anfang an die Infektionen mit Malaria, wie das bei der großen Anzahl der Europäer, darunter viele Neulinge und auch Frauen, nicht anders zu erwarten war.
So ungünstig die gesundheitlichen Verhältnisse für den Europäer bei einem tropischen Bahnbau naturgemäß liegen, so haben diese doch auch wieder den Vorzug, daß sie eine epidemieartige Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten nicht begünstigen.