Der Vortrupp
6. Jahrgang Nr. 2>> November ^^7
Kriegsmaßregel.
Durch die Verfügungen über die Einschränkung des Papierverbrauches sind wir, wie alle anderen Zeitschriften gezwungen, den Umfang des „Vortrupp" zu ".beschränken. Damit wir den Inhalt nicht wesentlich zu kürzen brauchen, lassen wir den „Vortrupp" jetzt in kleinerem Druck erscheinen.
Schriftleitung und Verlag des „Vortrupp".
Drei Reden.
Berlin, den 27. Oktober
Ganz kurz nach Bethmann Hollwegs Rücktritt folgte ihm auch der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. Zimmermann. Jeder, der die sachlichen und persönlichen Verhältnisse des Reichsdienstes einigermaßen kennt, weiß, welch starke Kraft, und nicht zum wenigsten: was für ein Mensch, dem Reiche auch in Zimmermann vorläufig verloren gegangen ist. Wohl sind einzelne Handlungen, die zu Zimmermanns Amtszeit von seiner Behörde ausgegangen sind, erheblich kritisiert worden; aber es bleibt abzuwarten, ob nicht diese Handlungen — ich denke besonders an die viel besprochene Anweisung in der mexikanischen Sache — von der Geschichte, wenn einmal Absicht, G e s a m t Wirkungen und Begleitumstände völlig klargelegt sind, wesentlich anders werden beurteilt werden, als von den doch stets nur halb unterrichteten Zeitungen der Mitwelt. Sicher ist, daß eine Kraft wie die Zimmermanns nicht lange rosten darf; das Reich hat solche Männer nicht übrig.
Zimmermanns Nachfolger wurde Herr v. Kühlmann. Die Lage gab ihm von Anfang an die Möglichkeit, unter den Männern der neuen Regierung besonders stark hervorzutreten: Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes ist zwar dem Reichskanzler unterstellt, es liegt also in der Hand des Reichskanzlers, ob dieser dem Reichstage gegenüber die auswärtige Politik der Regierung im Wesentlichen selbst vertreten will, oder ob er diese Vertretung mehr dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes überlassen will; im jetzigen Falle wies die Notwendigkeit der Dinge und die, von Freund und Gegner gleichmäßig anerkannte, Gewissenhaftigkeit des neuen Reichskanzlers den zweiten Weg: Denn Herr v. Kühlmann ist in der auswärtigen Politik ein sehr erfahrener Fachmann, während Herr Dr. Michaelis diesem Gebiete in seiner bisherigen Tätig- heit fern gestanden hat. Daher hat Herr v. Kühlmann bereits dreimal Gelegen- keit gehabt, die auswärtige Politik der deutschen Regierung als Redner zu vertreten: am 22. August und am 28. September vor dem Hauptausschuß des Reichstages, am 9. Oktober vor dem Reichstage selbst.
Diese drei Reden dieses Mannes lassen bereits klar erkennen, daß er ein fest erfaßtes Programm vertritt. Dieses Programm aus diesen drei Reden systematisch herauszuarbeiten, ist ein Tun, das sich lohnt. Denn nicht nur steht
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