5. Jahrgang Nr. 20 16. Oktober M6
herausgegeben von vr. Hermann M. Kapert, Hamburg.— verantwortlicher Schriftleiter: vi'. pliil. R. Kraut, Hamburg.
Abteilungen
des Deutschen Vortrupp-Bundes
Nr. 8
herausgegeben von der
Geschäftsführung des „Deutschen Vortrupp-Bundes"
1916
vorn wirken im Vortruppsinne.
Aus einer Ansprache von Eberhard Giese im Vortrupp Breslau.
Ich will versuchen, Ihnen unsere vor- trupxgruppe vorzustellen, Ihnen knapp zu deuten, was sie ist und was sie will.
Der „Deutsche Vortruppbund" ist eine sreie Tatgemeinschaft der Vortruppleser.
Er ist kein Verein im herkömmlichen Sinne; denn er besitzt nicht die übliche Vereins- Satzung und erhebt keine Beiträge. Das einzige Band, das seine Mitglieder Zusammenhalt, sind die Gedanken, die die Halbmonatsschrift „Der Vortrupp" vertritt.
Für Sie kommt es natürlich darauf an, zu wissen, welches diese Gedanken sind, für die es sich lohnt einzutreten, Gedanken, die uns vorwärtsbringen.
Ich bin mir bewußt, daß es recht schwer ist, restlos aufzuzeigen, was „Der Vortrupp" ist, schwer vor allem in einer größeren Versammlung.
„Der Vortrupp" verlangt ein wenig Einleben, setzt einen längeren Umgang mit sich voraus, ehe er sein Wesen enthüllt. Deshalb war er bisher fast ausschließlich angewiesen aus das Werben von Mensch zu Mensch und er wird es in erster Linie auch bleiben. Rur, wer sich bereits aus irgendeinem Gebiete des sozialen Lebens praktisch oder geistig bctätigt, wird imstande sein, ihm ganz nahezukommen.
Trotzdem will ich's wagen, einige Ausführungen über die Ausgaben und Ziele des „Vortrupp" zu machen.
Der von Hermann Popert, dem Verfasser des allgemein bekannten Dürer- bundromans „Helmut harringa", herausgegebene Vortrupp nennt sich selbst eine „Halbmonatsschrift für das Deutschtum unserer Zeit".
„Er will dem werdenden dienen, allem Gesunden", das im lieben deutschen Lande
wächst und wirkt. Alle Lebensresormbestre- bungcn, die ernsthaft und klar an dein Ausstiege unseres Volkes arbeiten, sollen wie in einem Brennspiegel im „Vortrupp" sich finden können. Sie sollen aus der Vereinsamung, die sie oft bedeutungslos macht, gerissen
werden und im „Vortrupp" eiir Sprachrohr- besitzen, das ihre Forderungen hinausträgt in den Tag, das die ganze praktische Arbeit einer Gruppe ringender Menschen ins Leben stellt.
Der Vortrupp kann das; denn er ist unabhängig.
Unabhängig von irgendeiner Partei, von irgendeinerReligionsgemeinschaft,unabhängig von der Macht irgendeiner Kapitalistengruppc.
Diese Unabhängigkeit gibt ihm die Kraft, mit aller wünschenswerten Schärfe da aufzutreten, wo ihm etwas faul scheint und krank. Er braucht weder nach rechts noch nach links zu sehen.
Sie werden zugeben, daß es nicht viele solcher Zeitschriften geben kann.
Seinen Leitgedanken folgend hat der „Vortrupp" bisher neben allgemeinen Abhandlungen seines Herausgebers wiederholt Aufsätze gebracht, die sich um folgende lcbens- erneuernde Zielsetzungen bewegen:
Wohnungsreform, Bodenreform, Frage der Kriegerheimstätten, Gartenstadtbewc- gung, gesundheitliche und rassenh-ygieni- sche Fragen, Kampf gegen den Alkohol und das Alkoholkapital, Lrnährungssragen, Körperkultur, Frauenbewegung, Natur- und Heimatschutz, Schutz und Förderung des Deutschtums im Auslande, Aussöhnung der Völker, Esperanto, Dürerbundbestrebungen, Kinderschutz, Jugenderziehung, Wandervogel- und Pfadfinderbewegung, Freideutsche Jugend, Reform des studentischen Lebens, Vertretung der Interessen der Schule und ihrer Lehrer, Schulreform, Reform des Lichtbildwesens usw.