Teil eines Werkes 
Bd. 9, Text (1906) Das Deutsche Njassa- und Ruwuma-Gebiet : Land und Leute; nebst Bemerkungen über die Schire-Länder
Entstehung
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Die Wamakua, Wanjika und Wabungu, die reichlich Vorderlader besitzen, Jagdwaffen, benutzen diese als Jagdwafife; wo keine Feuerwaffen vorhanden sind, jagt man noch in alter Weise mit Speer, Pfeil und Bogen und mit der Jagdkeule.

Welche von diesen Waffen bei den einzelnen Stämmen üblich sind und was sonst darüber zu sagen ist, ist bereits in den früheren Abschnitten ausführlich besprochen.

Nur die Harpunen und ihre Anwendung bei der P'lusspferd-Jagd sind noch Harpunenjagd zu erwähnen: auf Fluss-

Eine mit einem kräftigen Widerhaken versehene Eisenspitze, ist an einem P feide - langen, dicken Tau befestigt und steckt lose auf einer starken Stange, um die jenes Seil herumgewickelt ist (Tb. 109, No. 4 u. 5).*)

Diese Harpune schleudert man gegen ein Flusspferd, dem man sich im Einbaum unbemerkt genähert hat. Die Eisenspitze mit ihrem Widerhaken bleibt in der Wunde stecken, der Stab löst sich von dem Eisen und das Seil wickelt sich ab; 1 ) ein Schwimmer am Ende des Taus**) zeigt dem Jäger den Aufenthalt des untertauchenden Tieres an, und wenn es an die Oberfläche kommt, um Luft zu holen, so geht man ihm mit besonders kräftig gearbeiteten Speeren (Tb. 109 No. 3) zu Leibe. Die Wakissi benutzen zur Flus>pferdjagd Einbäume aus ganz leichtem Holze, die durch den Stoss der wütenden Kolosse nicht zum Sinken gebracht werden können. 4 )

Leider hatte ich niemals Gelegenheit, diesen kühnen und gefährlichen Sport mit anzusehen. Am Sambesi gibt es Leute, die aus dieser Jagd ein Gewerbe machen und zu dem Zwecke weit umherziehen; das Fleisch und die Elfenbein­zähne lohnen die erfolgreichen Jäger. 5 )

Im Erkennen von Wildfährten sind die Eingeborenen ungemein geübt; oft Erkennen von schien mir ihr Spürsinn und die Schärfe ihrer Sinne geradezu wunderbar; aber auch Wildfahrten. europäische Jäger bringen es ja durch Uebung in dieser Beziehung erstaunlich weit.

Auch Hunde benutzen die Eingeborenen bei der Jagd, aber wohl weniger Jagdhunde, zum Verfolgen der Wildspuren, als zum Aufstöbern und Hetzen des Wildes;

*) Bei den Wandamba der Ulanga-Ebcne scheint das Seil nicht um den Harpunensclinft ge­wickelt zu werden: wenigstens zeigten mir die Wandamba die Montierung der Harpune in der Art, wie es auf Tb. 108a dargestellt ist. Allerdings war der richtige Harpunenstock damals gerade nicht zur Stelle, sondern wurde bei der Demonstration durch einen beliebigen offenbar viel zu schwachen Stab ersetzt.

**) Der Schwimmer hat verschiedene Form. Livingstone 2 ) gibt an, dass am Sambesi bisweilen eine aufgeblasene Schwimmblase als Schwimmer am Harpunenschaft befestigt wird, während bei einer vom Tanganjika stammenden Flusspferdharpune des Museums für Völkerkunde zu Berlin <ün Stück korkleichten Holzes dessen Stelle vertritt; bei den Wakissi am Njassa ist der Holz- Schwimmer nicht am Ende des Harpunenseiles befestigt, sondern steht durch eine besondere, dünne Leine mit dem Harpuneneisen in A'erbindung. 8 ) Bei den Wandamba-Harpunen dagegen besteht der Schwimmer aus einem starken, am Tauende befestigten Brett (Tb. 108a), welches gleich­zeitig auch dazu dienen soll, ein Verankern des Taues an Uferbäume zu erleichtern.

' ) 1 (Vol. I), S. 41; 2 ) 1 (Vol. I), S. 41; s ) 5 , S. 282; J ) 5 , S. 282; 5 ) I (Vol.I), S. 4042;

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