Mannigfaltigkeit der Jagd- und l’ischerei- methoden.
Jagdliche der einzelnen Stämme.
[Erfindungsgabe der Naturvölker.]
KAPITEL IX.
Jagd und Fischfang bei den Eingeborenen des südlichen
Deutsch - Ostafrika.
(Hierzu Atlas Tb. 106—109.)
Es ist zweckmässig, das, was über Jagd und Fischfang bei den Eingeborenen des südlichen Deutsch-Ostafrika zu berichten ist, in einem besonderen Abschnitte zusammenzufassen.
Obgleich ich durchaus keinen Anspruch darauf erheben kann, ein »weidgerechter« Jäger zu sein oder mit unserer heimischen Fischerei Bescheid zu wissen,*) waren mir Jagd und Fischfang der Eingeborenen doch immer ganz besonders interessant: ist doch die Mannigfaltigkeit der angewandten Methoden ganz erstaunlich, und die sinnreiche Konstruktion der Tierfallen bezeugt für ihre Verfertiger einen hohen Grad von Erfindungsgabe.**)
Zuerst seien die im Süden von Deutsch-Ostafrika üblichen Methoden der Jagd, dann die des Fischfanges besprochen.
Die Jagd scheint bei fast allen Stämmen des südlichen Deutsch-Ostafrika recht beliebt zu sein. Besonders die Wamakua sind leidenschaftliche Jagdfreunde, und ihre »Fundi« werden im ganzen Süden von Deutsch-Ostafrika als tüchtige Elefantenjäger geschätzt (vergl. S. 118). Auch die Wanjika, Wabungu und Wangoni sind recht eifrige Jäger; am wenigsten Neigung zur Jagd scheinen die Konde-Leute am Njassa zu haben. 1 )
*) Ich beherrsche daher auch nicht die fachmännische Terminologie und bitte Kundige um nachsichtige Beurteilung.
**) Man ist leicht geneigt, die Erfindungsgabe der Naturvölker deshalb zu unterschätzen, weil sie nicht, wie wir, komplizierte Maschinen bauen, sondern sich mit scheinbar sehr primitiven Werkzeugen behelfen. Aber diese Geräte sind bei aller Einfachheit fast durchweg ihrem Zwecke ganz vorzüglich angepasst — man denke nur an die Bumerang der Australier —, so dass sie den Ansprüchen der Naturvölker völlig genügen und ein Bedürfnis nach komplizierteren gar nicht besteht; werden solche aber notwendig, wie z. B. bei der Konstruktion von Tierfallen, so sind auch die verachteten »Wilden« sehr wohl imstande recht sinnreiche Hebelvorrichtungen zu erfinden.
') 5 . S. 152.