Wirtschaftsgeographie des deutschen Südseereiches.
Durch die Besitzergreifung unserer pazifischen Schutzgebiete ist ein zusammenhängendes deutsches Südseereich entstanden, dessen kolonialen Nutzwert wir nunmehr zu prüfen haben. Denn mit kolonialer Schwärmerei ist es nicht getan. Man muß sich vielmehr die Frage vorlegen, ob die Bedeutung des Erworbenen derart ist, daß es die großen Ausgaben lohnt. Tatsächlich hat es namentlich bei der Besitzergreifung der räumlich und wirtschaftlich bescheidenen Inselgruppen Mikronesiens an herben Urteilen nicht gefehlt. Viele sahen in den weltentlegenen Archipelen nur wertlose, teuer bezahlte Felsklippen, nichtsnutzigeinseichen und Spielzeuge der Herren Geographen, von deren paar tausend Eingeborenen nichts zu gewinnen sei, weil sie selbst nichts hätten. Man berief sich darauf, daß kein geringerer als Fürst Bismarck nach dem glücklich beigelegten Streit mit Spanien von der „Lumperei der Karolinen“ gesprochen hatte, die einen Krieg nicht wert sei. Das war aber im Jahre 1885 der Fall gewesen, wo Ostasien und der Stille Ozean noch nicht im Brennpunkte der Interessen standen und wo in Deutschland noch niemand an die Festsetzung in Kiautschou dachte, während heute unter den von Grund auf veränderten Verhältnissen die pazifischen Inselgruppen eine ganz andere Stellung gewonnen haben. Für Spanien waren die Karolinen und Marianen, wie der Reichskanzler v. Bülow treffend hervorhob, nach dem endgültigen Zusammenbruch seines einst so stolzen Kolonialreiches nur noch wertlose, unnütze Ausgaben verursachende Trümmer eines eingestürzten Gebäudes. Für uns sind sie trotz des unausbleiblichen Wettbewerbes der Vereinigten Staaten, die sich als unbequemer Nachbar inmitten der deutschen Marianen- und Samoa-Inseln festgesetzt haben, die Strebepfeiler eines neuen zukunftsvollen Baues und ein neues Glied in der Kette unserer Südseegebiete. Zur Zeit entspricht allerdings der materielle Wert der deutschen Südsee - Inseln nicht der Höhe der für sie gebrachten Opfer, und ihre Nutzbarmachung wird noch langer, mühsamer und kostspieliger Arbeit bedürfen.