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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
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gekehrt, so daß die Zivil Verwaltung über den größten Teil der Kolonie ausgedehnt werden konnte, die zu Verwaltungszwecken in 22 Bezirks­ämter und Militärbezirke, einschließlich drei Residenturen in den Sulta­naten des Zwischenseengebietes, geteilt ist. Da letztere von der Küste weit abliegen und von eiuer starken, kriegerischen Bevölkerung bewohnt werden, so würde im Ernstfälle militärisches Eingreifen sehr schwierig sein. Darum hat die Regierung hier auf die Einrichtung einer regel­rechten Verwaltung verzichtet und Residenten eingesetzt, die mit einer farbigen Schutzwache nur im allgemeinen das Ansehen der Kolonialver­waltung wahren und den Sultanen beratend und kontrollierend zur Seite stehen sollen, ohne sich im übrigen in die inneren Angelegenheiten jener Länder zu mischen. Da im Zwischenseengebiet im Zusammen­hänge mit dem durch die Ugandabahn kräftig emporgeblühten Handel wiederholt Übergriffe und Rücksichtslosigkeiten weißer und farbiger Händler vorgekommen sind, so ist das Betreten jener Bezirke ohne Er­laubnis des Gouvernements verboten.

Die ostafrikanische Schutztruppe zählt 2710 Farbige unter 272 euro­päischen Chargen und ist in 15 Kompagnien, eine Maschinengewehr-, eine Signalabteilung und ein Rekrutendepot eingeteilt. Die ebenfalls aus Farbigen bestehende Polizeitruppe ist 1700 Mann stark und wird von 42 Weißen befehligt. Die Schutztruppe ist in zahlreichen Stationen und Posten, die zum Teil wohl bekannte, in der Entdeckungsgeschichte oft erwähnte Namen tragen, zweckmäßig über das weite Land verteilt, und zwar so, daß diejenigen Punkte genügend stark besetzt sind, in deren Nähe Unruhen im eigenen Lande oder jenseits der Grenze ein- treten könnten. Die Aufgaben der Militärstationen 1 ) sind in erster Linie militärischer Art. Sie haben für die Ruhe und Sicherheit ihrer Bezirke zu sorgen und sollen außerdem auf den Ausbau der Verkehrs­wege und auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hinwirken. Einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Stämme ent­halten sie sich.

Landes- und Volkskunde.

Deutsch-Ostafrika, unsere volkreichste und wichtigste Kolonie, ist zweimal so groß als Deutschland, indem es unmittelbar südlich des

*) Am Kilimandscharo ist Moschi der Mittelpunkt des deutschen Einflusses, am Tanganjikasee ist Udjidji der bekannteste Platz. Am Njassasee haben Wied­hafen und Langenburg, am Victoriasee Muansa und Bukoba besondere Bedeutung erlangt. Andere wichtige Binnenplätze, an der großen Karawanenstraße gelegen, sind Kilossa, Mpapua, Kilimatiüde und Tabora, dazu der Hauptplatz von Ubehe, Iringa.