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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
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iu gewissen Religionsübungen, in Speiseverboten und der Gleichmäßig­keit der Tracht weites Hemd, weite Beinkleider, Burnus und Fez zum Ausdruck kommt, während im übrigen noch immer ein mehr oder minder versteckter Fetischdienst getrieben wird, so hat sie doch unter den Häuptlingen und Vornehmen zahlreiche Anhänger gewonnen.

Die Europäer des Schutzgebietes zählten 1908 268 Köpfe, darunter 52 Frauen, gegen 137 im Jahre 1901 und 35 im Jahre 1891. Sie wohnen meist in Lome und Anecho und stammen zum weitaus größten Teil aus Deutschland. Nahezu die Hälfte besteht aus Beamten und Missionaren; dem eigentlich wirtschaftlichen Element, den Kaufleuten, Bahnbeamten und Pflanzern, gehören 56 Köpfe an.

Wirtschaftsgeographie.

Wirtschaftlich zeigt Togo ein erfreuliches Bild, das bei der Gleich­artigkeit der Tropenlage manche Übereinstimmungen mit demjenigen Kameruns erkennen läßt. Zurzeit liegt der Hauptwert der Kolonie in ihren Ölpalmenwäldern und Gummischätzen wie im Ackerbau der Ein­geborenen.

Unter den wildwachsenden Produkten der Sammelwirtschaft steht auch hier der Kautschuk obenan. Ausschließlich von wilden Beständen stammend, wird er meist aus den Landolphia-Lianen gewonnen, die in den Wäldern des Togogebirges Vorkommen und nach ihrer Anzapfung ge­wöhnlich der Vernichtung anheimfalleu, während sie bei sorgsamer Be­handlung jahrelang Milchsaft liefern könnten. Schwarze Händler aus der englischen Goldküstenkolonie wagten sich unter dem Schutze der deutschen Flagge in das früher unzugängliche Togogebirge. Da sie hohe .Preise zahlten, so blieben die Eingeborenen jeder andern Arbeit fern und begannen einen so sinnlosen Raubbau, daß in den häufiger be­suchten Gegenden die ursprünglich reichen Kautschukvorräte bald er­schöpft waren. Obwohl es im Gebirge noch genug Gummilianen gibt, findet doch auf dem Wege der Raubwirtschaft eine fortschreitende Ver­minderung und Erschöpfung der Kautschukpflanzen statt, und für das Elfenbein gilt dasselbe. Da nun Togo keine ausgedehnten Waldungen besitzt, so muß in absehbarer Zeit die Kautschukgewinnung ihr Ende erreichen, wenn sie auch bis jetzt noch eine Steigerung ihrer Erträge auf wies, da aus dem Hiuterlande der Nachbarkolonien viel Kautschuk in unser Schutzgebiet herüberkommt. Einen bescheidenen Ersatz gewährt