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Wirtschaftsgeographie.
Wie Togo und die gesamte Westküste des tropischen Afrikas, so diente auch Kamerun Jahrhunderte hindurch lediglich dem Sklavenhandel. Nach seiner Unterdrückung geriet jenes ganze Gebiet in Vergessenheit, bis es um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Bedürfnis der europäischen Industrie nach großen Mengen pflanzlicher Oie und Fette zu neuem Aufschwünge erweckte. Für diesen Zweck erwiesen sich nämlich die in Westafrika massenhaft wildwachsenden oder kultivierten Olpalmen und Erdnüsse als sehr geeignet, und so kam es, daß an dem lange verschmähten Gestade eine Handelsfaktorei nach der andern entstand. Immerhin hatten sich bis zum Jahre 1884 an der Kamerunküste, insbesondere am Kamerun- Ästuar, erst wenige deutsche und englische Firmen festgesetzt, und langsam und zögernd nur hat sich mit der deutschen Herrschaft, die jahrelang auf einen schmalen Streifen küstennahen Gebietes beschränkt blieb, auch der deutsche Handelseinfluß ins Hinterland Bahn gebrochen. Die Europäer saßen auf ihren abgetakelten Handelsschiffen, den Hulks, und der Binnenverkehr lag ausschließlich in der Hand der Küstenstämme, die eifersüchtig über ihr Zwischenhandelsmonopol wachten und keinem Reisenden den Durchzug ins Grasland gestatteten. Es bedurfte hartnäckiger Kämpfe, um die allen Verkehr lähmende Schranke zu beseitigen. Aber auch die kriegerischen Bewohner des Hinterlandes leisteten dem Vordringen der Europäer bis in die jüngste Zeit hinein erfolgreichen Widerstand. Obendrein wird der Handel Adamauas und der Tsadsee- länder nicht, wie man erwarten sollte, vom ungleich näheren Guineagolf beherrscht, sondern er ist wegen der Zugehörigkeit jenes Gebietes zum politischen und Handelsbereich des Islam viel enger mit dem Mittelmeer und dem Nil verknüpft. Aus jenen weit entfernten Gegenden, inbesondere aus Tripolis, kommen alljährlich große Karawanen in unser Hinterland, wenngleich der Sudanhandel durch das Eindringen der Europäer, die von der trefflichen Binnenwasserstraße des Benue aus das Innere massenhaft mit billigen Waren überschwemmen, schon eine tiefgreifende Umgestaltung und einschneidende Veränderungen erfahren hat. Trotzdem wird noch viel Zeit, Geduld und Geschick nötig sein, um Deutsch-Adamaua und Deutsch-Bornu in handelspolitischer Beziehung von England und Frankreich unabhängig zu machen und durch Schaffung von Verkehrserleichterungen den Handel jener ackerbau-, vieh- und industriereichen Landschaften mit ihrer intelligenten, kaufkräftigen Bevölkerung der Kamerunküste anzugliedern. Nur eine Eisenbahn von der Küste in den
Deutschlands Kolonien. 12