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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
Entstehung
Seite
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2. Kamerun.

Die Eroberung des Hinterlandes.

Durch die Verträge des Jahres 1885 hatte Deutschland an der Kamerunküste eine feste Grundlage gewonnen. An die Küste aber lehnte sich ein weites, noch völlig unbekanntes Hinterland, dessen Erforschung, Erwerbung und Beherrschung unsere nächste kolonialpolitische Aufgabe sein mußte. Kriegerische und wissenschaftliche Unternehmungen sind daher in Kamerun vielfach Hand in Hand gegangen. Zugleich galt es, zum Schutze der Europäer ausgedehntere Verwaltungs- und Sicherheits­maßregeln zu treffen. Dadurch wurden wieder die Ausgaben weit über das Maß der Einkünfte gesteigert und machten eine gründliche Umge­staltung des Zoll Wesens erforderlich. Um die schwerere Belastung tragen zu können, brauchte der Handel neue Einfuhr- und Ausfuhrgebiete, und zur Erreichung dieses Zieles mußte eine starre Schranke durchbrochen werden, welche die Handelseifersucht der Duala, Bakoko und anderer Küstenstämme sowie ihrer weiter landeinwärts wohnenden Nachbarn, der Buschleute, errichtet hatte. An der Kamerunküste bestand nämlich seit langem ein lebhafter Verkehr, bei dem der Ölhandel die wichtigste Rolle spielte. Die schlauen Eingeborenen hatten aber sehr bald erkannt, wie gewinnbringend hierbei die Ausübung des Zwischenhandels sei, und es gelang ihnen, sich dadurch eine reiche, mühelose Einnahmequelle zu ver­schaffen, daß sie den Zwischenhandel zwischen den am Meere ansässigen Europäern und den Binnenstämmen vollständig monopolisierten. Durch die Erhebung hoher Durchgangszölle führten sie jedoch eine unverhältnis­mäßige Verteuerung der Waren herbei, sehr zum Schaden einer gewinn­bringenden Handelsentwicklung und der Durchführung größerer Handels­unternehmungen. Alle diese Stämme verweigerten nämlich mit rücksichts­loser Eifersucht sowohl den europäischen Kaufleuten als den Eingeborenen des Binnenlandes den freien Durchzug, so daß beide nur vermittels des Zwischenhandels ihre Erzeugnisse austauschen konnten und daß die Be­reisung des Innern auf unglaubliche Schwierigkeiten stieß. Die Waren wanderten von Stamm zu Stamm und von Handelsgürtel zu Handels-