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Deutschlands Kolonien : Erwerbungs- und Entwickelungsgeschichte, Landes- und Volkskunde und wirtschaftliche Bedeutung unserer Schutzgebiete / von Kurt Hassert
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auf allen Seiten feste und mehr naturgemäße Grenzen statt der vorher vorhandenen geraden mathematischen Grenzlinien, die für jugendliche politische Gebilde wohl vorläufig genügen, die aber als augenblickliche, am grünen Tische meist ganz willkürlich festgesetzte ungeographische Aushilfsmittel den natürlichen Verhältnissen in keiner Weise entsprechen. Alle in Kamerun ausgeführten Expeditionen haben neben ihren poli­tischen und militärischen Aufgaben durch die Erschließung neuer Handels­und Verkehrsgebiete der Kolonie auch wirtschaftlich wertvolle Dienste gelöistet und zur geographischen Erforschung des Binnenlandes in solcher Weise beigetragen, daß die noch unbezwungenen Völker und unbekannten Landschaften nur einen kleinen Raum des Schutzgebietes einnehmen. Da aber die Hochlandsbevölkerung sehr kriegerisch ist und der deutschen Herrschaft noch keineswegs sicher unterworfen erscheint, so können die Zustände im Kameruner Hinterlande noch lange nicht als friedlich gelten.

Landes- und Volkskunde.

Kamerun, unsere wertvollste tropische Pflanzungskolonie, liegt im innersten Winkel des Golfes von Guinea, wo ihre 320 km lange Küste, in Luftlinie der Entfernung zwischen Berlin und Breslau entsprechend, den Raum zwischen dem Rio del Rey im Norden und dem Campofluß im Süden einnimmt. Landeinwärts dringt sie mit wachsender Breite bis zum Tsadsee, dem ausgedehnten Binnenmeer des Sudans, vor, an dessen südlichem Ufersaum sie mit einem kleinen Streifen Anteil hat, und greift ins Gebiet des Benue und der nordwestlichsten Kongozuflüsse über. Hierbei wird sie aber zwischen dem 9. und 10. Breitengrade auf eine Strecke zu einem schmalen Halse eingeschnürt, um sich von neuem zu einem dreieckigen Landgebiet, dem sogenannten Entenschnabel, zu ver­breitern, den der bedeutendste Zufluß des Tsad, der Schari, im Osten umrandet. Dadurch entsteht die eigentümliche Umrißgestaltung Kameruns, die sich ausnimmt wie ein Stück Kuchen, aus dem die Nachbarn die besten Stücke herausgebrochen haben: eine Folge unseres Zurückbleibens gegenüber England und Frankreich im Wettbewerb um das Hinterland, wo gewisse Punkte von den Expeditionen beider Mächte schon früher erreicht und besetzt waren und auch später bei der endgültigen Grenz­bestimmung in ihrem Besitz verblieben. Immerhin steht Kamerun als unser drittgrößtes Schutzgebiet mit 495600 qkm Fläche nicht viel hinter dem Deutschen Reiche zurück. Politisch begrenzt wird es zum größeren Teile vom französischen, zum kleineren Teile vom englischen und zum kleinsten Teile vom spanischen Kolonialgebiet.