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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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331
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19 Evangelisten. An finanziellen Leistungen brachten diese Gemeinden seit 1870 an 90- 100000 M. auf, neben dein Wert der Kirch- und Schulbauten, den man auch auf 7080000 M. veranschlagen kann.

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Drittes Kapitel.

Eingeborene Gehülfen.

Als ein besonderer Erfolg der Missionsarbeit ist die Mitarbeit der ein­geborenen Gehülfen zu verzeichnen. Bei der Darstellung der Arbeit auf den zehn Hauptherero- und den Bergdamrastationen würde das Bild kein voll­ständiges sein, wenn ich nicht auch die Arbeit der Ältesten und Evangelisten in den Gemeinden und auf den Filialen erwähnte. Wie uns aus dem Vor­hergehenden ersichtlich ist, war ganz Hereroland mit einem Netz von Missions-- stationen und Filialen überzogen. Die Anlage letzterer wäre ohne die Mit­hülfe der Ältesten und Evangelisten nicht möglich gewesen. Für die Erreichung des eigentlichen Missionszieles, dem ganzen Hcrerovolk das Evangelium nahe zu bringen und aus ihm selbständige christliche Gemeinden zu sammeln, war die Heranbildung eines eingeborenen Lehrerstandes sowie tüchtiger Evangelisten eine Lebensbedingung. In dem KapitelAugustineum" ist schon gesagt worden, wie die jungen Schullehrer ausgebildet wurde», und ebenso über deren Zahl, Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit das nötigste angedeutet. Im Augustineum sollten jedoch auch tüchtige Evangelisten herangebildet werden. Die trüben Erfahrungen, die wir oft mit den jungen, unverheirateten Schul- lehrern, ovutzonKi86, machten, sagten uns, daß wir für den Evangelistendienst nicht solche, sondern tüchtige, gereifte, erprobte und verheiratete Männer bedürften. Diese fanden sich jedoch nicht leicht. Sie wurden, wie wir später sehen, aus den Ältesten und Gemeindegliedern entnommen.

Unter den 46 Gemeindeältesten haben wir zum Teil schon tüchtige Mit­arbeiter gefunden. Es waren die besten und gläubigsten Glieder der Gemeinden und von den Gemeinden selbst gewählt. Ihnen lag die eigentliche Obhut über die Getauften ob. Sie waren in der Scelsorge, Kircheuzucht und Aufsicht über alle das Auge und die rechte Hand des Missionars. Ihr Arbeitskreis erstreckte sich fast über alle Zweige des Gemeindelebens. Die sich zum Tauf- unterricht meldenden Heiden kamen in der Regel zuerst mit ihren Anliegen zu ihnen und wurden dann durch sie dem Missionar vorgestellt, von diesem ermähnt und auf die Wichtigkeit des Schrittes, den sie zu tun beabsichtigten, hingewiesen. Die Aufsicht über die Schulen und die Schüler, über das Betragen der Getauften, über die Versorgung der Armen, der Witwen und