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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Entstehung
Seite
256
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kaufte der Häuptling in seiner Trunkenheit ein Stück Land nach dem andern, bis den Leuten für sich selbst und ihr Vieh kaum noch etwas blieb. Heiden­taufen fanden keine mehr statt. Die Gemeinde bot mit ihren 228 Getauften und 97 Abendmahlsberechtigten ein trostloses Bild. Missionar Hammanu wurde nach Otjihaenena versetzt und Neubarmen wieder Filial von Okahandja. Nach dem Weggang Hammanns zog die verwitwete Missionarin Viehe dort ein. Ihrer unermüdlichen Liebe gelang es, das kleine Häuflein der Getreuen zusammenzuhalten, zu pflegen und mit Gottes Wort und Unterricht zu be­dienen, bis der Aufstand auch ihrer gesegneten Arbeit ein Ende machte.

An Geldbeiträgen hat die Gemeinde Neubarmen in den 36 Jahren ihres Bestehens ohne den Kirchbau nur annähernd 2000 Mark aufgebracht. Von Brincker war eine Schul-Viehherde gestiftet worden, die bei seinem Weggange 40 Stück Großvieh und 500 Stück Kleinvieh zählte. Von dieser wurden die Schullehrer unterhalten und die Gemeindebedürfnisse bestricke»; aber so entwöhnten sich die Leute auch des anhaltenden Gebens. Die beständigen Kriegsunruhen, der öftere Wechsel der Missionare, das öftere Verwaistsein der Leute mag viel zu dem Rückgang der Gemeinde beigetragen haben. Man kann wohl sagen: Es gibt keine Hererostation, auf der so viele Tränen ge­flossen sind, so viel gearbeitet und gekämpft worden ist, wie Neubarmen. Ist aus dieser Tränensaat auch eine Freudenernte erwachsen? Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich bezüglich eines Teils der Salomonschen Leute, die sich 1883 bei Otjosazu auf Okatumba niederließen, und von mir dort bedient wurden, diese Frage doch bejahen. (Siehe: Filial Okatumba.)

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Lweites Kapitel.

Die weitere Entwicklung cler Arbeit.

Vorbemerkung.

Man kann den Gang der Entwicklung der Mission im Hererolande in drei Perioden zu je 20 Jahren einteilen. In den ersten 20 Jahren konnten die Missionare mit Petrus sagen:Wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen," waren doch bis zu Anfang 1864 nur fünf Mädchen ge­tauft. Es folgte der zweite Abschnitt. Der siebenjährige Freiheitskrieg mit seinem Gefolge von Mord und Verwüstung war für die beiden ersten Stationen auch gerade kein milder Regen, der den ausgestreuten Samen zum Keimen und Wachsen bringen konnte. Ende 1869 betrug die Zahl der Getauften etwa 200 und die der Taufbewerber etwa 60. In der Arbeit standen auch immer