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Okazeva.
Diese noch junge Station liegt 2st? Tagereisen östlich von Otjihaenena am weißen Nosob, eine halbe Tagereise westlich von Omataura oder Witvley. Schon lange hatte der Häuptling Tjetjoo auf Okehoro um einen Missionar gebeten. Auch war es der Regierung erwünscht, daß dieser Stamm, die östlichsten Herero, einen solchen erhielten. Man war dabei der Ansicht, daß sich der Brunnenplatz Okehoro im schwarzen Nosob für einen Starionsplatz eigne.
Die Tjetjoos waren teilweise schon in Okahandja und Otjiamangombe mit dem Worte Gottes bekannt geworden, und die Söhne Tjetjoos, Petrus, Traugott, Elias und andere mehr auch schon getauft. Im Oktober 1899 reisten Missionar Lang, Kuhlmann und ich nach den Nosobflüssen, um die Plätze dort in Augenschein zu nehmen. Okehoro jedoch fanden wir mit seinen tiefen Brunnen und seinem fast völligen Mangel an Gartenland in dem dort kaum 25 Fuß breiten schwarzen Nosob zu einem Platz für eine Station ungeeignet. Unsere Wahl fiel schließlich, mit Genehmigung des Gouverneurs Leutwein, auf Okazeva, das sich eher als Stationsplatz eignete. Der Name Okazeva bedeutet Wassertümpel, Quelle, die nicht ausfließt. Obwohl der Platz weder eine fließende Quelle noch Säeland im Flusse hat, so hatte er doch reichliches Gartenland für eine künftige Gemeinde, die christliche Kultur annehmen sollte. Missionar Kuhlmann, für die Tjetjoos
bestimmt, zog bald dort hin und legte die Station au. Auch Tjetjoo zog mit seinen Leuten in die Nähe des Platzes. Da hintenuach die Siedlungsgesellschaft den Leuten den Platz streitig zu machen suchte, so wagten es
anfänglich die Leute nicht alle, zum Missionar zu ziehen. Erst auf des Gouverneurs Zureden zogen sie hin. Die nötige Bauerei nahm viel Zeit und Kraft in Anspruch. Die Leute kamen aber fleißig zu den Gottesdiensten, und es meldeten sich gleich 69 Leute zum Taufunterricht; von ihnen konnten 10 Erwachsene'.und 10 Kinder im Jahr 1900 getauft werden. Bei all der Freude mußte Kuhlmann jedoch gleich durch tiefes Leid. Seine junge Frau, welche sich bald die Herzen der Leute wie im Sturm erobert hatte, wurde nach einer kurzen zehnmonatlichen Ehe durch den Tod plötzlich von seiner
Seite gerissen. Mit großem Eifer hatten sich die 80 Taufbewerber an den
Bau einer Buschkirche gemacht, die nun durch die Begräbnisfeier der lieben
Missionarsfrau eingeweiht wurde, wie auch ihr Grab das erste auf dem neuen Kirchhof ward. Die Teilnahme der Christen wie der Heiden war rührend, ein Zeichen, wieviel Liebe sich die Heimgegangene in der kurzen Zeit bereits erworben hatte.
Im folgenden Jahr konnte Kuhlmann wieder eine Anzahl Taufbewerber taufen, das erste Abendmahl dort feiern und zwei tüchtige Älteste für die Gemeinde einsetzen. Als nun im August 1903 wieder eine kleine Taufe stattgefunden hatte und die Zahl der Gemeindeglieder auf 87 stieg, auch die
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