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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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geprüften, aber doch getrösteten Bruder, dessen Tochter nun zn seiner Hülfe von Europa herüberkam.

Auch auf der Station hatte Bernsmann manchen Schmerz an den Ge­tauften. Der junge Häuptling Friedrich schloß sich mit noch einige» Getauften von der Gemeinde ab. Auf den drei Filialen jedoch ging die Arbeit fröhlich voran; eine Menge Taufschüler fand sich dort ein, ihre Zahl betrug 143. Eine Anzahl von diesen konnte getauft werden, und 27 Getaufte von andern Stationen zogen herzu, sodaß die Zahl der Getauften im Jahr 1903 auf 203 stieg. Die Zahl der Tagesschüler betrug 170. Alles berechtigte zu den schönsten Hoffnungen.

Leider machte der Aufstand im Januar 1904 auch dieser segensreichen Arbeit ein plötzliches Ende. Bernsmann mußte durch schwere Stunden hindurch. Einige Aufständische und abgefallene Christen zogen einen Weißen, den der energische Missionar in seinem Schlafzimmer verborgen hatte und schließlich unter Gefahr seines eigenen Lebens mit seinem Körper deckte, heraus, vor das Missionshaus und schlugen ihn dort mit ihren Keulen tot, während Bernsmann in seiner Stube aus seine» Knien zu Gott um Hülfe schrie. Dann mußte er die Station mit blutendem Herzen verlassen. Die Gemeinde zerstreute sich in alle Winde. Finanziell hatte sie seit ihrem Bestehen an 2000 M. ausgebracht.

Otjihaenenci.

Wenden wir uns nun zu den Mbanderu und Tjetjoos im Osten, im Gebiet des Nosob. Die Mbanderu hatten schon oft um einen Missionar ge­beten. Bei meinen vielen Besuchen bei ihnen gelang es, in den Jahren

1880-1883, zwei Evangelisten bei Kahimemna und Kanangatie zu statio­nieren. Eine Anzahl Leute von den Kahimemuas konnte auch getauft werden. Unter ihnen befand sich Kahimemuas Bruder und einige Söhne und Töchter von ihm. Im Jahr 1889 bat der alte Häuptling nochmals ernstlich um

einen Missionar und gab mir als Zeichen seiner Aufrichtigkeit sein kostbares Armband. Da die Mbanderu sehr zahlreich waren, die Entfernungen aber für mich zu weit, um erfolgreich unter ihnen wirken zu können, wurde Missionar Lang im Jahr 1890 für sie ansgesandt. Nachdem dieser sich mit der Sprache auf Otjosazu bekannt gemacht hatte, reisten wir im August 1892 nach dem Nosob, um einen Stationsplatz für die Kahimemua'schen auszusuchen. Kahi- memua, den wir auf Otjohangue am schwarzen Nosob fanden, reiste mit uns nach Otjihaenena am weißen Nosob. Viel Auswahl an guten Plätzen gab

es dort nicht, so daß wir bei Otjihaenena bleiben mußten. Dieser Platz liegt 125 stm südöstlich von Otjosazu und 109 lein nordöstlich von Windhuk, 1585 m über dem Meeresspiegel. Der Name bedeutet einen großen Platz: Die Menschen reichen nicht hin, ihn zu bewohnen." An sich hat der Ort

keine Waldung noch eine fließende Quelle, wohl aber Gruudwasser genug und