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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Entstehung
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280
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Getaufte, 318 Abendmahlsberechtigte und 350 Schüler gewachsen war. An finanziellen Beiträgen brachte die Gemeinde in den letzten drei Jahren 2417 M. anf, was für arme Dienstleute immerhin viel ist. Die ganze Eingeborenenwerft in Windhnk zählte im Mai 1903 565 Hütten; die Zahl der Bewohner war 2054, die sich aus 913 Bergdamra, 707 Nama, 301 Herero, 119 Bastards, 5 Ovambo, 5 Betschuanen und 5 Buschmännern zusammensetzten. Da Missionar Wandres diese viele Arbeit unter den ver­schiedenen Farbigen allein nicht gründlich mehr bewältigen konnte, wurde ihm Ende 1903 eine Hülfe in dem jungen Missionar Meier, der sich besonders der Schule und der Herero annehmen soll. Da Windhuk von dem Aufstand fast gar nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, so konnte die Missionsarbeit bis heute ungestört fortgesetzt werden.

Otjosaziu.

Am 14. Februar 1869 landete eine Reisegesellschaft von zehn finnischen und zwei rheinischen Missionaren nebst vier Frauen in Walfischbai. Frohen Herzens setzten wir nach einer dreieinhalbmonatlichen Seereise unsere Füße auf den Boden unserer neuen Heimat. Nach einer achttägigen Fahrt mit dem Ochsenwagen, die uns viel Neues kennen zu lernen gab, kamen wir in Otjimbingue an und wurden von Weiß und Schwarz mit Jubel begrüßt. Der siebenjährige Freiheitskampf der Herero war eben beendet; mit neuen Hoffnungen schauten alle in die Zukunft. Mein vorläufiger Bestimmungsort war Neu-Barmen; ich sollte dort Missionar Briucker zur Hülfe sein. Anfang Juni kam ich dort an. Im März 1870 hielt ich meine erste Predigt in der Hererosprache über Matth. 5, 3. Unser Veteran Hahn sandte mir zum Andenken an diesen Tag eine Hererobibel, in die er die Worte Jes. 55, 10. 11 hineingeschrieben hatte. Am 18. Mai 1870 legten Diehl und ich die Station Okahandja an; im September ging ich nach Neu-Barmen zurück, um Brincker zu vertreten; ähnlich ging ich im Jahr 1871 zur Vertretung Hahns nach Otjimbingue.

Währenddes war eine Bitte des Häuptlings Kambazembi an mich gelangt, ihn auf Otjozondjupa zu besuchen. Das war die Veranlassung zu meiner ersten Reise nach dem Norden, auf der sich meine Kenntnis von Land und Leuten erweiterte. Auf Otjiamongombe predigte ich in der großen Werft des fast hundertjährigen alten Häuptlings Kandjii. Diese Werft und ihre Bewohner machten einen sehr guten Eindruck auf mich. Kandjiis Sohn Tjetjoo sowie dessen Sohn Petrus standen der Mission freundlich gegenüber. Die Leute Kandjiis hielten mich für einen Wahrsager, ovaüke, sie hatten 12 Ochsen verloren, und ich sollte ihnen aus meinem ombuks, Wahrsagebuch es war meine biblische Geschichte sagen, wo diese seien. Das Ombuke sollte alles wissen. Auf der Weiterfahrt verloren meine Leute den Weg und die lange Ochsenpeitsche; auch suchten sie meinen Lebensmittelvorrat auf Otjongeama, Löwenplatz, bedenklich heim. Der verlorene Weg, die verlorene Peitsche, der