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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Entstehung
Seite
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HUnckhuk.

Obwohl diese Station jetzt mehr als Nama- wie als Hererostation in Frage kommt, so liegt sie doch der Hereromission so nahe und ist mit ihrer Geschichte so verbunden, daß es nötig erscheint, ihrer hier auch zu gedenken. Windhuk liegt etwa 72 kin südlich von Okahandja, an dem Nordabhang des I70b m hohen Auasgebirges, in einer eigenen Höhe von 1600 in. Der Platz hat eigentlich drei Namen: Windhuk, aus dem Holländischen - Windecke; Otjimuise, Rauchplatz, nach dem aufsteigenden Wasserdampf der heißen Quellen dort, und Okongova (jetzt Kein-Windhuk), d. h. seine Meinung mit Lügen koiiAL mit ovu, verdecken. Das hat Jonker Afrikaner, der Unter- jocher der Herero auf diesem Platze, redlich getan. Windhuk ist einer der schönsten und wasserreichsten Plätze im südlichen Hereroland. Es hat neben der heißen, immer fließenden schwefelhaltigen Quelle noch an 18 verschiedene kleinere und größere andere und dazu einen Reichtum an schwarzem, vul­kanischem, fruchtbarem Humusboden; ein alter, verloschener, eingestürzter Krater befindet sich nämlich am östlichen Gebirgsabhang. Im Jahr 1872 fand ich auf der Hochfläche neben der heißen Quelle noch Stückchens reinen Schwefels. Damals war der Platz auch noch mit einem schönen Mimosen- wald bestanden, der jedoch später der Kultur weichen mußte.

Wie schon bei der Gründung der Hereromission erwähnt, hatte Jonker Afrikaner im Jahre 1830 den Platz zu seiner Residenz gemacht und die Herero von dort vertrieben. Auch ist schon erzählt, wie die Missionare Hugo Hahn und Kleinschmidt im Jahre 1842 unter den Jonkerschen eine Missions­station zu gründen versuchten, wie ihre anfangs einen Erfolg versprechende 'Arbeit jedoch durch die Intriguen der Händler sowie der methodistischen Missionare und durch Jonkers Raubzüge vernichtet wurde und sie darauf nach Okahandja und Otjikango zogen. Als Jonker 1861 gestorben war und die Herero nach dem siebenjährigen Freiheitskampfe1869 Windhuk zurückerobert hatten, gaben sie im Jahr 1870 bei der großen Friedenskonferenz den Platz dem Sohn Jonkers, Jan Jonker, als Lehen. Die Missionare hielten es aber für die Erhaltung des Friedens für nötig, Jan Jonker nicht allein in der Nähe zu haben, sondern ihm auch einen Missionar zu geben. Die alte Raublust der Nama war mit dem Tode Jonkers nicht ausgestorben; das alte Mißtrauen zwischen den beiden Nationen bestand fort, und schon bald nach dem Friedensschluß zeigte der verschlagene Jan Jonker die alte Natur und suchte die südlichen Namakapitäne durch Klagebriefe gegen die Herero aufzureizen. Um diese seine Pläne zu durchkreuzen, noch mehr aber, um den verkommenen Haufen Gottes Wort zu bringen, wurde im März 1871 Missionar Schröder von Keetmannshoop nach Windhuk gesandt. Schröder hatte gehofft, eine freudige Aufnahme und gebeugte, heilsbegierige Leute zu finden. Er sah sich aber darin getäuscht. Die Gemüter waren

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