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meinde meist auf Osona wohnre, zerfielen auch die Häuser und standen in der Woche meist leer. Da schienen sich die Leute nochmals aufraffen und wieder festen Fuß auf ihrem Platze fassen zu wollen. 66 Heiden besuchten den Tauf- unterricht. Der Kirchhof erhielt endlich eine steinerne Umfassung, die Kirche wurde renoviert und ein neues Wellblechdach daraufgesetzt. Es war die letzte gute Stunde. Nach der Statistik zählte die Gemeinde samt ihren drei Außen- stationen 1200 Getaufte, 520 Abendmahlsberechtigte, 4 Schulen, 119 Schüler, 2 Evangelisten und 2 Missionare, Diehl und Meier. An finanziellen Beiträgen hatte sie in den dreißig Jahren ihres Bestehens etwa 10 — 11000 M. aufgebracht. Als die Gemeinde im Januar 1904 mit in den Aufstand trat und nach dem Gefecht am 27./28. Januar fliehen mußte, bot der Platz Okahandja einen fast noch traurigeren Anblick dar als im Jahre 1850.
Omaruru.
Omaruru oder Okozoudje war die zweite Station, die im Januar 1870 angelegt wurde. Der Name bedeutet Bitterwasser oder Skorpionenplatz. In dem dürren Jahre 1868 zog der Kolonist Redcker mit einigen Getauften von Otjimbingue und Otjikango dorthin, um Weizen zu säen; denn der Swakopfluß war in zwei Jahren nicht abgekommen. Omaruru, am Flusse des gleichen Namens, ist einer der besten Plätze des Landes und übertrifft Okahandja an gutem Garten- und Weizenland und Wasser; die Quelle dort soll früher 2—3 Stunden weit ausgeflossen sein; auch hatte es eine ausgezeichnete Bewaldung.
Der Misfiousgehilfe Cloete hatte auf Omaruru schon eine gesegnete Arbeit unter den Bergdamra, die sich bei den englischen Jägern und Händlern dort niedergelassen hatten. Der Hererohäuptling Zeraua mit seinen Leuten und eine Anzahl Bastards wohnten seit 1868 ebenfalls dort unter dem Schutz der Weißen. Zeraua hatte mit seinen Leuten schon bei den Kupfergrüberu auf Otjimbingue etwas arbeiten gelernt; sie waren in den Jahren 1862—68 die eigentlichen Bewohner Otjimbingues gewesen; auch hatten sie sich bei Missionar Hahn dem Worte Gottes zugewendet.
Unter diesen also nicht mehr so rohen Heiden begann Missionar Viche 1870 seine Arbeit. Er predigte auf Omaruru in der Buschkirche in drei Sprachen: Herero, holländisch für die Bastards und englisch für die Händler. So fand er gleich reichliche Arbeit, An 80 Herero- und 25 weiße und Bastardkinder besuchten die Schule; eine Anzahl Taufbewerber bat um Unterricht. Cloete war mit seinen Bergdamra nach Okombahe gezogen, Viehe baute das kleine, von ihm bisher bewohnte Haus für sich aus. Er hatte jedoch einen weißen Maurer zur Hilfe und machte nur die Holzarbeiteu, Türen und Fenster, selbst, so gut es ging. Leider war die Anlage des alten Hauses zu eng und niedrig, die Regenzeit drängte, und wegen Zeitmangel