Druckschrift 
Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Entstehung
Seite
257
Einzelbild herunterladen
 

257

noch erst drei Missionare. Es war eine lange Warteschule, in welche die Missionare, besonders Hahn, hineingestellt waren. Eine der Haupttugenden des Missionars ist jedoch die, daß er warten kann. Ungeduldige Eile hat schließlich am meisten Zeit, Schmerzen und Geld gekostet. Es galtGlauben und Geduld der Heiligen" sich immer wieder zu erbitten. Im Hereroland lernt man es so recht verstehen, daß der gute Same Frucht bringt in Geduld. Das Land mußte erstgut gemacht", gepflügt und besät werden, auf Hoff­nung, welche die liebliche Schwester der Geduld ist und den Missionar aufrecht erhält, wo diese auf harte Proben gestellt wird.In großer Geduld und Trübsal, in Ängsten und Nöten, in Aufruhren, durch Ehre und Schande, böse Gerüchte und gute Gerüchte, als die Sterbenden und siehe, wir leben, als die Gezüchtigten und doch nicht ertötet," die Wahrheit dieser Worte mußten auch wir so oft erfahren. Bis zum Jahre 1870 trügt so die Hereromission in ihrem zweiten Abschnitt die Überschrift:Eine Tränensaat". Dieser sollte aber bald eine Freudenernte folgen.

Der Friedensschluß im September 1870 machte den fortwährenden Kriegen ein vorläufiges Ende, er war ein Sieg der Mission. Das zeigen uns die folgenden zehn Friedensjahre. Die Zahl der Taufbewerber stieg im Jahre 1871 auf 150. Eine Anzahl tüchtiger Gemeindeältesten missionierte unter ihren Landsleuten. Infolge des Friedensschlusses konnten auch gleich im Jahre 1870 drei neue Missionsstationen angelegt werden und im Verlauf der folgenden Jahre bis 1880 nochmals vier, so daß die Hereromission am Ende dieses Abschnittes neun Stationen und neun Missionare zählte. Wenden wir uns nun den neugegründeten Stationen zu.

Okahanclja.

Okahandja liegt 25 Irin nordöstlich von Otjikango. Der Name bedeutet: Mückenplatz, wegen der vielen kleinen Mücken, oöoünnch'a., von Iinnckjn,

zornig, gereizt sein, die sich dort finde». Der Name des Platzes ist aber auch

charakteristisch für seine Bewohner. Zwei periodische Flüßchen vereinigen sich oberhalb des Platzes und münden eine Stunde unterhalb bei Osona in den Swakopfluß. Im Osten des Tals, dicht am Flußbett zieht sich eine Gebirgs­kette hin, die im Nordosten in vier Spitzbergen ausläuft. Dicht dem Platze gegenüber liegt nach Norden jene 500 Fuß hohe Felskuppe, die geschichtlich dadurch berühmt geworden ist, daß Maharero im Jahre 1862 mit seinen

Großen dort hinaufstieg, sich verschanzte und den Nama den Gehorsam auf­sagte. (Siehe:Kriege".) An anderer Stelle ist schon erzählt, wie die Herero diese löwenartig aussehende Kuppe einfach den Stein nennen

und wie Missionar Dicht und ich ihr im Jahre 1870, als die deutschen

Heere über die Franzosen siegten, den NamenKaiser Wilhelms Berg," zum Andenken an unsern großen Kaiser Wilhelm I. beilegten. Dieser Name ist

Jrle, Die Herero. 1 i