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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
Entstehung
Seite
252
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Spellmeier mit bei der vielen Arbeit, mußte doch noch immer in vier Sprachen, Herero, Nama, Deutsch und Holländisch, gepredigt werden. Ende 1903 zählte die Gemeinde nach der Statistik 803 Getaufte, 506 Abendmahls- berechtigte und 61 Taufbewerber; drei Schulen für Herero, Deutsche und Bergdamra mit 89 farbigen Schülern waren vorhanden, und die Geldleistungen beliefeu sich auf 1238 M. Von 1884 ab bis 1903 gab die Gemeinde an Beiträgen für Lehrer und Missiouszwecke 26 957 M. Blickt man auf das Otjimbingue von 1849 zurück, als es fast noch keine» einzigen seßhaften Be­wohner hatte, und vergleicht dann damit die Zahl der Getauften und Heiden, die dort zuletzt und in der Umgegend beständig wohnten, so kaun mau doch die Erfolge der Mission in geistlicher und kultureller Hinsicht nicht gering nennen.

Seine frühere politische und Handels-Bedeutuug hat freilich Otjimbingue an Okahandja abtreten müssen und nach der Erbauung der Eisenbahn von Swakopmund nach Windhuk auch au das sechs Reitstundeu nördlich gelegene Karibib, da es selbst abseits der Bahn blieb. Darin liegt der Grund auch, daß es nicht in dem Maße wie andere Stationen 1904 von dem Aufstand in Mitleidenschaft gezogen wurde, wenn auch die Herero des Platzes sich von der Beteiligung an diesem nicht zurückhalten lassen wollten.

Otjikango. Neubarmen.

Wir müssen uns noch einmal nach Otjikango oder Neubarmen, der ersten Missionsstation, zurück wenden. Als Hahn im Jahre 1859 nach Deutschland reiste, hatte er seinem treuen Gehilfen Cloete die Station übergeben. Bei seiner Rückkehr 1864 blieb er auf Otjimbingue, und Missionar Brincker be­setzte Neubarmen bis zum Jahre 1878. Brincker hatte einen sehr schweren Anfang dort. Er fand zwar Cloete mit seinen drei Brüdern und deren Familien und eine Anzahl armer Herero vor, aber den Platz ausgeraubt und verwüstet. Nur das bescheidene Wohnhaus, in dem Hahn, Kleiuschmidt, Rath, Bam, Kolbe, Schöneberg und Scheppmann in Zufriedenheit, großer Geduld, Verleugnung und Entsagung zeitweilig gewohnt hatten, stand noch, eine Stätte vieler Gebete, Tränen und Kämpfe mit Unglauben, Heidentum und Räuberbanden, besonders aber auch mit der Hererosprache, aber auch eine Stätte vieler Gnadeuerweisuugeu Gottes, vieler Errettungen aus Not und vieler Gebetserhörungen. Dieses war dem Anfänger ein Angeld auf Gottes Beistand in den vielen Kämpfen, in die er gleich hinein kam. Das kleine Wohnhaus genügte fürs erste, nur die abgebrannte Buschkirche mußte neu hergestellt werden. Schule und Gottesdienste nahmen wieder ihren geregelten Gang.

Dieser fröhliche Anfang dauerte jedoch nicht lange. Die wenigen Stationsbewohner, fortwährend von den Räuberbanden der Nama beunruhigt