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Augustineum geschlossen und die noch übrigen Schüler teils angestellt, teils Missionar Lang in Otjihaenena zur weiteren Ausbildung übergeben. Aber auch dort erfüllten sich die Hoffnungen nicht. Ein Versuch, die Schüler sich selbst beköstigen zu lassen, schlug fehl. Eine neue Anstalt konnte man nicht gleich fertig stellen; die Jünglinge, 10 an der Zahl, mußten in Pontoks wohnen, wo sie sich außer der Unterrichtszeit zu sehr selbst überlassen waren. Gerade aber, als die Sache wieder ins rechte Geleise zu kommen anfing, brach der Ausstand aus, der alles vernichtete.
Seit dem Bestehen des Augustineums sind an 50 Jünglinge in ihm ausgebildet worden, von denen 40 in den Gemeinden angestellt wurden. Eine Anzahl von diesen hat sich nicht bewährt. Es waren meist junge, unverheiratete Leute, die den Versuchungen, besonders auf den Außenstationen, nicht gewachsen waren. Selbständig und sich selbst überlassen, hielten sie sich nicht wie die andern, die auf den Stationen unter den Augen der Missionare arbeiten. Unter diesen gab es eine ganze Anzahl, die es ernst mit ihrer Arbeit und ihrem Wandel nahmen und für die Schulen ein Segen wurden. Die Jahresgehälter für die Lehrer brachten die Gemeinden auf, jedoch nicht in der gewünschten Höhe von 240—300 M. für die ärmeren. Evangelisten sind nur einige aus dem Augustineum hervorgegangen; von ihnen wird in einem späteren Abschnitt die Rede sein. Kehren wir nach dieser Unterbrechung wieder nach Otjimbingue zurück.
L-ehtL Lntwicklung von Otjimbingue.
In Otjimbingue nahm die Arbeit trotz der Kriegsunruhen in Gemeinde und Kolonie einen fröhlichen Fortgang. Es bedurfte freilich der Anstrengung aller Kräfte, den feindlichen Überfällen der Nama nicht zu unterliegen. Diese hatten es jetzt besonders auf die Kolonie abgesehen. Otjimbingue wurde dreimal von ihnen belagert. Am 13. Dezember 1867 hatten sich die Nama bei der Sorglosigkeit der Herero bis ganz nahe an den Platz herangeschlichen. Hahns Frau war todkrank; sie mußte unter dem Kugelregen der Nama auf einer Tragbahre in die Kirche getragen werde», weil man sie da am sichersten glaubte. Eine Menge Hererosranen und Kinder hatten sich auch dahin geflüchtet. Aber gerade die Kirche nahmen sich die Nama zum Ziel. Sie wurde unaufhörlich von ihnen beschossen. Die Gefahr, daß das Strohdach derselben in Brand geraten könne, war groß, und so wurde die kranke Missionarin wieder in das Missionshaus getragen. Während dies geschah, ließen die wilden Namahorden doch das Feuer schweigen. Doch jetzt entbrannte auch die Wut der Herero, und sie warfen den Feind mit großen Verlusten zurück. Die Missionare und Kolonisten waren gerettet. — Im Jahre 1868 herrschte auf Otjimbingue eine furchtbare Dürre. Mangel an Weide und Wasser für die Herden trieb die Mehrzahl der Herero nach Okahandja. Ein Erdbeben,