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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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in der Schule, und Hahn hatte täglich 45 Stunden Unterricht mit ihnen, bei dem ihm ein getauftes Hereromädchen half. Jeden Sonntag fanden vier Gottesdienste für die Herero, die Deutschen, die Engländer und die Bastards statt, dazu kam Gesang- und Bibelstunde. Im Oktober 1865 begannen die Freudentage in Otjimbingue. Hahn konnte vier Herero taufen. Diese bildeten mit den vier früher getauften Mädchen den Anfang der Gemeinde. Am 18. Oktober konnte der Grundstein zu einer neuen Kirche gelegt werden. Alle, Heiden wie Taufbewerber, wetteiferten bei ihrem Bau. Der heidnische Häupt­ling Zeraua stellte sogleich 10000 Lehmsteine bereit. Im Dezember 1867 konnte die Kirche eingeweiht werden. Auch eine neue, geräumige Schule wurde gebaut. Am 3. Dezember 1865 fand eine weitere Taufe von Er­wachsenen und zehn Kindern statt. Das waren Freudentage für alle, und Hahn konnte in mehr als einer Beziehung mit Psalm 118, 15 rühmen: Man singet mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten usw." Hatten doch die Herero auch über ihre Feinde, die Nama, immer wieder gesiegt. Aber es sollte zu noch herrlicheren Siegen gehen. Eine Unterbrechung brachte aber vorerst eine zweite Reise zu den Ovambo.

Zweite Ovamboreise.

Schon Ende 1865 hatte Hahn eine Einladung von dem Ovambohüuptling Tjikongo in Ondonga, dem Bruder und Nachfolger Nangoros, erhalten. Am 24. Mai 1866 trat er seine zweite Reise dorthin an. Bei seinem Abschied ließ er auf Otjimbingue 17 Taufbewerber, die den Eindruck machten, daß sie es ernst meinten, unter der Pflege seines tüchtigen Gehülfen Cloete und des treuen Ältesten Paul zurück. Missionar Brincker und Böhm sahen von Otjikango und Salem aus nach dein Rechten und verwalteten die Sakramente; Brincker konnte während Hahns Reise eine alte Frau, der in Okahandja beide Füße von den Jonkerschen abgehackt worden waren, und die jeden Sonntag auf ihren Knie» in die Kirche gerutscht kam, samt ihren zwei Töchtern taufen. Hahn wurde von Tjikongo freundlich ausgenommen; dieser bat ihn sogar, seine zwei Söhne und seine Lieblingstochter mitzunehmen und sie zu erziehen und ihm auch einen Missionar zu senden. Hahn reiste nach Norden zu den Ovambohäuptlingen Tjipandeka und Nanjuma und bis hinauf zum Kunenefluß weiter; er fand überall die gleiche Aufnahme und dieselbe Bitte um Missionare. Ende Sep­tember 1866 kam er wieder in Otjimbingue an, mit Jubel von allen begrüßt. Neue Türen hatten sich für das Evangelium aufgetan. Im Anfang 1867 erhielt Hahn in Missionar Viehe eine tüchtige Hülfe für die Gemeinde- und Schularbeit.

Das Augustineum.

Von besonderer Bedeutung für die Weiterförderung und -Entwicklung der Hereromission wurde das Institut für eingeborne Gehülfen. Die Fürstin von