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der Jahre stellte sich auch heraus, daß sich Hahus weitgehende Hoffnungen, die Herero zu Ackerbauern und Handwerkern zu machen, nicht erfüllten. Das Land und Volk sind nicht dafür geeignet.
Otjimbingue behielt indessen seine große Bedeutung für die Mission. Es war iu den Kriegswirren auch eine Zufluchtsstätte für den Missionar auf Neubarme»; Missionar Brincker schreibt: „Wäre dieser Hafen nicht gewesen, wir wären sicherlich wie Spreu in den Stürmen weggefegt worden, und schwerlich gäbe es heute eine Hereromission." (Siehe: Kriege 1862—1868.)
Otjimbingue ist bis heute eine Herberge für alle Missionsleutc geblieben. Die Gastfreundschaft namentlich der Familie Hälbich ist allen unvergeßlich.
weitere Entwicklung von Otjimbingue.
Kehren wir nun zu der eigentlichen Missionsarbeit zurück. Missionar Hahn schrieb Ende 1864: „Unser Kommen und die Niederlassung hat einen so wohltätigen Eindruck auf die Herero ausgeübt, daß es alle meine Erwartungen weit übertroffeu hat. Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht. Der größte Teil der Leute, die zur Kirche kommen, sind ordentlich gekleidet. Das Haus, in dem ich bisher Kirche gehalten habe, ist des Sonntags gedrängt voll und muß erweitert werden. Es ist, als ob ein anderer Geist in das Volk gefahren wäre, und unser Kommen hat ihnen erst ein rechtes Vertrauen gegeben. Sie sind jetzt dem Evangelium zugänglicher als früher. Die Häuptlinge besuchen regelmäßig die Gottesdienste. Die rohen Sitten schwinden. Sie wünschen unterrichtet zu werden und tragen Kleider. Das Verlangen nach Unterricht ist erfreulich. Kürzlich taufte ich einen Herero, und jetzt habe ich eine Taufklasse von fünf, die mir rechte Freude machen. Auch bei Brincker und Böhm haben sich Herero zum Taufunterricht gemeldet."
Von den großen Schwierigkeiten, die mit der Gründung einer Gemeinde unter den Herero verbunden sind, kann man sich in der Heimat schwer eine rechte Vorstellung machen; die Kämpfe und Nöte der Missionare dabei kann man ohne deren Tagebücher nicht verstehen. Wie viel gaben Hahn z. B. seine erstgetauften Mädchen zu tun. Eines von diesen kam und wollte heiraten. Ein heidnischer Polygamisch ihr Stiefvater, wollte sie nach Herero- sitte zur Frau nehmen. Das konnte doch unmöglich zugelassen werden; sie heiratete hernach einen ledigen Taufbewerber. Gerade um diese Zeit schrieb Hahn einmal: „Bei den Sündenbekenntnissen dieser armen Leute kann es einem schwül werden; ich habe nicht gedacht, daß sie so verkommen mären." Auf Otjimbingue ging es immerhin mit der Gründung der Gemeinde schneller, als man hoffen konnte. Es zeigte sich doch, daß die Herero ein Volk von ganz anderem Metall sind als die von Raub und Krieg lebenden Nama. Der Frühling brach für die Herero an. Die Arbeit wuchs Hahn über den Kopf, der Kirchen- und Schulbesuch hob sich. An 150 -200 Kinder sammelten sich