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Landwirtes und eines Kaufmanns hin, nicht allein für die Missionare selbst, sondern besonders für die Schwarzen. Bis jetzt habe diesen das Vorbild eines christlichen Familien- und Gemeindelebens gefehlt, jetzt solle in ihrer Mitte eine kleine Gemeinde, aus vier oder fünf weißen Familien bestehend, sich niederlassen. Die herumziehenden Herero aber sollten seßhaft gemacht werden, Handwerke lernen und tüchtige Arbeiter in Haus und Garten werden. Im Juli 1863 gab endlich die Generalversammlung der Rheinischen Mission ihre Zustimmung zu Hahns Plänen und beschloß, einen Landwirt, einen Wagen- bauer und einen Schmied mit auszusenden. So wurden denn der Schmied Ed. Hälbich, der Wagenbauer Tamm und der Landwirt Redecker Hahn mitgegeben. Andere, wie der Wagenbauer Felling, wurden später nachgesandt. Mit jenen reiste auch der junge Missionar Böhm. Es war freilich eine sehr kostspielige Aussendung.
Im Februar 1864 kam Hahn mit acht weißen Gehülfen und den vier Hereromädchen, die unterdessen getauft waren, und der Johanna auf Otjim- bingue wieder an. Er vertauschte diesen Platz mit Neubarmen, weil er ihm für seine Kolonisten günstiger erschien. Auf Otjimbingue hatte sich unterdessen vieles verändert. Die Herero hatten im Jahre 1862 begonnen, das harte Joch der Nama abzuschütteln. Ihr Unterdrücker Jonker war im Jahre 1861 ohne Frieden mit Gott und mit den Menschen gestorben; der Tod dieses ge- fürchteten Tyrannen war ihnen das Zeichen zum Aufstand geworden. Otjimbingue aber, wo sie zweimal über ihre Feinde gesiegt hatten, war ihr Hauptquartier geworden und einer der Hauptplätze im Lande und ist das bis zum Jahre 1886 geblieben. Die Mission hat dazu nicht wenig beigetragen. (Siehe: Kriege 1861—1869, S. 171 ff.)
Hahns treuer Mitstreiter Kleinschmidt harte bei dem Ausbruch des Krieges schwer gelitten. Er starb infolge der Zerstörung und Zerstreuung der Gemeinde Rehoboth durch Jan Jonker Afrikaner an gebrochenem Herzen am 2. September 1864 in Otjimbingue. Hahn konnte ihm noch eben den letzten Trost spenden; sein Tod aber war ein bitterer Schmerz für ihn.
Auf Otjimbingue wurden Hahn und die Kolonisten bei ihrer Ankunft aufs freudigste empfangen, und Hahn selbst begrüßte mit nicht geringerer Freude die Siege der Herero. Es begann eine neue Zeit für die Hereromission. Ehe ich jedoch auf diese näher eingehe, ist es nötig, einen kurzen Blick auf die Tätigkeit der Missionskolonie zu werfen.
Die Missionskolonie auf Otjimbingue.
Mit dem Einzug der Kolonisten begann ein neues Leben auf Otjimbingue und in seiner Umgebung. Otjimbingue wurde eine Oase in der Wüste. Die Kupfer- minen-Gesellschast hatte sich aufgelöst, und Hahn kaufte das ganze Anwesen samt Häusern und Land von Herrn Anderson für die Mission. Die Kolonisten
Jrle, Die Herero. 10