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Die Herero : ein Beitrag zur Landes-, Volks- und Missionskunde / von J. Irle
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allerlei Abenteuern, oft von Löwen verfolgt, mit ihren Wagen und 10 Eseln endlich nach vier Wochen in Ondonga an, wo sie von dem Häuptling Nangoro scheinbar freundlich empfangen wurden. Es war jedoch nur Schein. Nangoro verbot ihnen die Weiterreise zu den andern Stämmen und nach dem Kunene- fluß. Als sie sich deshalb am 30. Juni zur Rückkehr anschickten, wurden sie plötzlich von 800 Speerbewasfneten Nangoros mit lautem Kriegsgeheul ver­räterisch angegriffen. Glücklicherweise waren sie von ihren Hererodienern ge­warnt worden, aus der Hut zu sein, und so konnten sie sich unter Greens Führung mit ihren tapfern Wagenleuten zurückziehen. Hahn ging dem wüten­den Haufen, an dessen Spitze sich Nangoros Sohn befand, »»bewaffnet ent­gegen, um durch freundliches Zureden den entbrannten Sturm zu beschwichtigen. Die Herero mahnten ihn, der von einer Rotte mit Speeren Bewaffneter um­geben dem Wagen folgte, zur Vorsicht. Green kam herbeigeeilt und bewog ihn, vorne auf den Wagen zu steigen. Kaum hatte er das getan, da hörte er hinter sich den Schrei seines Dieners und sah, daß Nangoros Sohn diesen mit dem Speer durchbohrt hatte. Der Verwundete drehte sich noch einmal um und streckte mit zwei Schüssen Nangoros Sohn und einen seiner Begleiter nieder. Ebenso feuerte Green unaufhörlich, von seinem Pferde aus rückwärts schießend. Das beides bewirkte bei den Ovambo große Verwirrung, die es den Missionaren ermöglichte weiter zu fliehen. Doch bald nahm die wütende Menge die Verfolgung von neuem auf, nach ihrem Blute lechzend. Die Nach­richt endlich aber, daß Nangoro plötzlich gestorben sei Wut und Zorn sollen ihn so erschreckt haben, daß er tot zur Erde fiel brachte die Ovambo zur Umkehr. Sie sahen den Tod ihres Häuptlings als eine Strafe Gottes au.

Elf Stunden lang hatten die Missionare unausgesetzt in der größten Lebensgefahr ihren Weg zurücklegen müssen. Als Jonker von diesem Überfall hörte, nahm er daraus Anlaß, die Ovambo aufs empfindlichste zu züchtigen. Durch alles das aber war eine Mission unter jenen Stämmen fürs erste ausgeschlossen. Als die Missionare am II. September wieder im Hererolaud eintrafen, war der Jubel überall groß; denn man hatte sie alle tot geglaubt.

Fortsetzung 6er Arbeit im kfiererolancke.

Hahn kehrte Ende Juni 1859 noch einmal nach Europa zurück. Er würde jedoch jetzt nicht von seiner Station weggegangen sein, wenn er nicht zur Besprechung einiger wichtiger Fragen von seiner Gesellschaft nach Hause be­rufen worden wäre, denn eben jetzt hatten sich bei ihm sechs Leute zur Taufe gemeldet. Er wollte diese jedoch nicht allein zurücklassen. Vier junge Mädchen gingen mit ihm ins Kapland, wo sie bei befreundeten Familien Aufnahme fanden; die getaufte Johanna aber nahm er mit nach Deutschland, wo sie ihm bei seinen Übersetzungsarbeiten eine tüchtige Hülfe wurde.

Die Missionare Rath und Hörnemaun waren nun wieder allein im Lande. Als Rath Ende 1858 mit seiner Familie nach Kapstadt reisen mußte, um