Es sei an dieser Stelle ein kleiner Exkurs über die sprachliche Herkunft des Gottesnamens der Herero gestattet. Sie teilen ihn, wie schon oben kurz angemerkt wurde, mit fast allen Bantuvölkern. So zeigt sich der Name Ndjambi Karunga in folgenden Abwandlungen bei den verschiedenen Bantu: Bei den Ovambo lautet er Kalunga; bei den in Loango, am Kongo-Becken, in Angola und Benguela wohnenden Bantu, Varutzi und Mbarotse: Zambi, Njambi, Ambi, Njame, Onjame, Ngambe, Nsambi; bei den Kamerun- Negern: Nzambi; bei den Loango: Nyambi; bei den Duala: Npambi; bei den Bunda: Nzambi; bei den Benga: Anjambi; bei den Teke: NzanI; bei den Mbangue: Anjambie; bei den Jausi: Njambi molongo.
Alle diese zweifellos identischen Namen bezeichnen also unter den Bantu Gott als höchstes Wesen. Dagegen gibt es eine andere Reihe gleichfalls verwandter Namensbezeichnungen, die für die Urahnen und Geister der Verstorbenen gebraucht werden, obwohl sie ebenfalls mit Ndjambi Karunga identisch sind. Es sind dies bei den Ama-Zulu der Name: Ongulungulu, d. i. der Ahne, der Alte, gleich dem Kurukuru „von alters her" bei den Herero; dieses Zuluwort hängt wieder zusammen mit dem Mulungulu der Jhambana, dem Mulungu der Kinika, dem Murungu in Sofala, dem Murungo in Tette. Bei den Mbasilonge endlich ist Tidi Mukuru zugleich auch die Bezeichnung des „höchsten, guten Geistes". So besteht bei den Herero wie bei allen Bantu-Stämmen der Dualismus der Gottesanschauung: sie kennen den höchsten, wahren Gott, aber verehren ihre Ahnen. Es gibt jedenfalls zu denken, daß auch die alten Äthiopier zweierlei Götter hatten, einen unsterblichen, um den sie sich nicht kümmerten, und andere, sterbliche, an deren Gräbern sie beteten und die sie verehrten. Sollte nicht die Möglichkeit gemeinsamer Anschauungen, vielleicht auch gemeinsamen Ursprungs der Gottesnamen vorliegen? Darf man ferner nicht in diesem Tatbestände auch eine Bestätigung der biblischen Offenbarung sehen, daß nicht die Vielgötterei, sondern die Erkenntnis des einen, ewigen Gottes die ursprüngliche, fast möchte man sagen, „angeborene" Gottesidee des Menschengeschlechtes gewesen ist? Andererseits aber, wie wahr ist des Apostels Wort: „Obwohl sie wußten, daß ein Gott ist, haben sie ihn nicht gepriesen als einen Gott, noch gedankt, sondern sind in ihrem Dichten eitel worden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert."
2. Die Schöpfungssagen tter ksterero.
Nur wenige dunkle Ahnungen, noch dazu unklar und verworren, haben die Herero über die Schöpfung aufbewahrt. Es ist schon oben kurz erwähnt worden, daß sich ihre Vorstellungen über den Ursprung der Menschen an den bereits genannten Omumborombongabaum anknüpfen. Das wird in etwa verständlich, wenn man bedenkt, daß dieser Baum durch sein Alter wie durch