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fünftes Kapitel.
Die Religion 6er lerere.
1. Sottesbegrikk unci Name.
Die Religion der Ovaherero ruht, wie alle Religion, auf dem Gottesbegriff, den sie haben. Auch die Herero kennen einen Gott Himmels und der Erden, aber sie ehren ihn nicht; sie denken an ihn, aber sie danken ihm nicht. „Daß man weiß, daß Gott sei, ist ihnen offenbar, denn Gott hat es ihnen offenbart." Aber eben dies, Gott kennen und nicht ehren, seiner zu gedenken, aber ihm nicht zu danken, hat das Volk der Herero zur Selbstvergötterung und damit zum Ahnenkultns geführt. Beides geht bei ihnen nebeneinander her: ihre Gottesidee, die besser ist als ihre Gottesverehrung, und ihr Ahnendienst, der zeigt, daß sie den lebendigen Gott nicht recht erkannt haben. Beide Arten religiösen Denkens und Verhaltens haben ihre Pole in zwei allen Bantu-Völkern gemeinsamen Gottesnamen.
Als die ersten Missionare die Gottesnamen der Herero erforschten, hörten sie fast nur den Namen Mukuru; sie hielten daher diesen Namen für die einzig zutreffende Gottesbezeichnung des Volkes und führten ihn in die Kirchensprache ein, so daß noch heute in dieser Mukuru der Name des lebendigen Gottes ist. Doch erst allmählich verstanden die Herero, was damit gemeint sei, und so ist ihnen jetzt allgemein Mukuru der Gott Himmels und der Erden. Wohl fiel es auf, daß die Herero auch einen andern Namen, Ndjambi Karunga, zur Bezeichnung Gottes gebrauchten; allein man meinte, der Name sei von den Ovambo übernommen und nur vereinzelt bekannt. Auch hörte man damals auf die Aufforderung: Xg,indnru mu Llulvnru (glaube an Gott)! von den Heiden die Antwort: „Was kann Mukuru tun? Wir glauben an Ndjambi Karunga! Siehe unsre Herden an! Hat Ndjambi Karunga uns nicht gesegnet?" Aber wer war Karunga? Die Antwort auf diese Frage fand ich, als ich 1870 meine erste Reise zu den Herero machte und zu dem fast neunzigjährigen Häuptling Kandjii auf Otjiamongambe kam. Der Alte fragte mich: „Was willst du olvunntje (Kindchen) denn bei uns?" Ich antwortete ihm: „Das weißt du doch, daß wir Missionare gekommen sind, euch Mukuru und seinen Sohn, unsern Erlöser, zu verkündigen. Voll Erstaunen sagte der Alte: „Bin ich denn nicht Mukuru, d. i. Gott? Ich bin doch Mukuru meiner Leute!" Als Missionar Büttner und ich ein anderes Mal einen alten Häuptling Tjenda besuchten, mußten wir diesem Vorstellungen machen, weil er ein getauftes Mädchen aus der Gemeinde an einen Polygamisten gegeben hatte. Büttner sagte: „Mukuru wird dich strafen um dieser Sache willen." „Was?" war seine Antwort,