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Deutsch-Südafrika im 25. Jahre Deutscher Schutzherrschaft : Skizzen und Beiträge zur Geschichte Deutsch-Südafrikas / von Wilhelm Külz
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zwischen Produktion und Absatz zur Lebensfrage werden. Auf der Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft 1908 und während der Anwesenheit des Staatssekretärs Dernburg im Schutzgebiet ist die Frage ebenso eingehend wie lebhaft erörtert worden, ohne dass jedoch praktische Erfolge bisher zu erkennen wären. Wie auf den meisten Gebieten des kolonialen Lebens, so gibt es auch hier kein allein gültiges Rezept, nur so viel ist klar, dass es zu schweren Schädigungen des Wirtschaftslebens kommen muss, wenn keiner der gangbaren Wege betreten wird. Nach den Verhältnissen des Landes, insbesondere im Hinblick auf den geringen Realwert des Grund und Bodens wird man, so­weit farmwirtschaftlicher Kredit in Betracht kommt, von vorn­herein abzusehen haben von dem heimischen Typ der Boden­kreditanstalt oder der reinen Hypothekenbank. Unbedenklich wird man als kreditbegründende Momente die Kulturanlagen nehmen können, die jemand auf seinem Grund und Boden schafft: Wassererschliessung, Einzäunung, Viehbestockung. Kommt man auf diesem Wege zu einer Landeskulturanstalt, so wird man zweckmässigerweise noch einen Schritt weiter zu gehen haben und nicht nur für landwirtschaftliche Kulturanlagen, sondern auch für städtische Grundstücke und kommunale Anlagen Kredit eröffnen. Privatkredit wird den jungen Gemeinden schwer) und stets nur unter schwierigen Bedingungen gewährt werden, es liegt deshalb nahe, nach dem Vorbild des britischen Südafrika den Gemeinden für bestimmte, gesetzlich vorgesehene Fälle gegen Verzinsung und kurzfristige Amortisation staatliche Darlehne zu gewähren. Immer­hin sind teilweise im Gegensatz zur Farmwirtschaft die realen Sicherheiten einer Gemeinde und des städtischen Grundbesitzes bereits soweit gefestigt, dass auch ein Immobiliarkreditinstitut privaten Kapitals mindestens an den grösseren Plätzen die Arbeit erfolgreich aufnehmen könnte.

f) Ausblick.

Zu den vielen politischen und wirtschaftlichen Programmen, die von berufener und unberufener Seite aufgestellt worden sind, soll kein neues hinzugefügt werden. Die Hauptsache für die ge­deihliche Entwicklung des Landes ist, dass Marschrichtung nach vorwärts beibehalten wird. Der Wege zum Ziele sind viele, aber man muss immer die geraden und kürzesten zu finden trachten. Die Zeiten sind vorüber, wo man nicht klar war über die Grund-